Fehlerspeicher auslesen

Publiziert im Oktober 2013

  Suzuki Bandit 1250S (Bj. 2010, WVCH/10, L0, Evo)

Dieser Artikel sollte bereits im April 2013 online sein, hatte ihn aber wegen diverser Tourplanungen zurückgestellt und dann schlichtweg vergessen.

In 2012 hatte ich eher zufällig darüber gelesen, daß die 1250’er Bandit im Motorsteuergerät (ECM) ein Selbstdiagnosesystem mit Fehlerspeicher integriert hat. Während einer Inspektion wird der über den Diagnosestecker ausgelesen. Und auch im Tacho-Display läßt sich ohne großen Aufwand ein Fehler in Codeform angezeigen.
Neugierig wie ich bin, recherchierte ich darauf los. Leider waren die Ergebnisse äußerst spärlich und vage und von einer detaillierten Anleitung oder Hintergrundinformationen nicht die Spur zu finden. Dürftige Hinweise wie „Büroklammermethode“ und „Betriebsartenwahlschalter“ waren die einzig verwertbaren Treffer.

Für Eilige und sparsame Leser: Die Zusammenfassung dieses Artikels

Den Fehlercode im Tachodisplay anzeigen geht schnell und ist nicht aufwändig.

  1. in Fahrtrichtung rechts die Seitenverkleidung unterhalb der Sitzbank abnehmen
  2. Schutzkappe vom 6-poligen weißen Diagnosestecker entriegeln und abziehen
  3. Motor starten
  4. 4 Sekunden nach Motorstart die Kontakte 1 und 4 des Diagnosesteckers mit einem Drahtstück verbinden
  5. die FI-Lampe beginnt zu leuchten und der Fehlercode erscheint im Tachodisplay anstelle des aktuellen KM-Stands
  6. Fehler anhand der Fehlercode-Liste auf speedriders.eu feststellen. Die verlinkte Liste entspricht den Angaben im Reparaturhandbuch zur 1250er Bandit. Der Code C00 steht für Fehlerfreiheit.
    Der Strich vor dem Fehlercode zeigt die Stellung des Drosselklappensensors als Ober-, Mittel- oder Unterstrich an.


  7. Diagnosestecker,
    gebrückte Kontakte 1 und 4

    FI-Lampe leuchtet + Fehlercode wird angezeigt,
    C00 bedeutet Fehlerfreiheit

In eigener Sache

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Hat die 1250’er ein Leiden, dann teilt sie das mit.

Die Dicke hat ein Selbstdiagnosesystem, das im Motorsteuergerät (ECM) integriert ist. Dieses Diagnosesystem hat zwei Betriebsarten:

  1. die Anwender-Betriebsart und
  2. die Service-/Händler-Betriebsart (auch als Wartungsmodus bezeichnet)

Die Anwender-Betriebsart


Keine Fehleranzeige im Display => alles i.O.

In der Regel ist die Anwender-Betriebsart permanent aktiv. In diesem Modus informiert das Selbstdiagnosesystem durch die FI-Lampe und der Anzeige von „FI“ im Tachodisplay über etwaige Fehler.
Erlischt die FI-Lampe nach dem Start des Motors, ist alles in Ordnung.

Zwei Kombinationen von Warnungen und deren Auswirkung


  1. FI-Lampe leuchtet + KM-Stand und „FI“ wechseln

    Die FI-Lampe leuchtet permanent und der aktuelle Kilometerstand wird im Takt von zwei Sekunden durch „FI“ ersetzt.
    Bei dieser Art von Störung läßt sich der Motor zwar starten, allerdings läuft er in einem Notprogramm und dadurch mit minimierter Leistung. Zu allem Überfluß können während des Motorlaufs laut Reparaturhandbuch weitere Schäden auftreten, die aber leider nicht näher benannt werden.
    Diese Warnanzeige ist relativ nichtssagend, denn die 1250er hat eine Vielzahl von Sensoren, von denen einer die Ursache dafür sein kann. Ein defektes Kabel, schlechte Steckverbindung oder ein loser Stecker gehören ebenso zu den Verdächtigen.


  2. FI-Lampe leuchtet + „FI“ wird dauerhaft angezeigt

    Die FI-Lampe leuchtet permanent und statt der Anzeige des Kilometerstands steht dort dauerhaft „FI“.
    Der Motor läßt sich nicht starten.
    War der Motor in Betrieb, geht er aus.

    Diese Anzeige ist erstmal ebenso wenig aussagekräftig wie die oben beschriebene. Der Grund hierfür liegt mutmaßlich ebenfalls an einem Defekt einer der vielen Sensoren, bzw. an einem fehlerhaften Kabel oder Stecker.

Fehlerdiagnose

Als Fahrer des Motorrads steht man in beiden Fällen erst mal ratlos da. Ein aufgeregtes und planloses rumschrauben bringt absolut nichts, denn sollte die Ursache einer der vielen Sensoren sein, läßt sich das durch bloßen Blickkontakt nicht diagnostizieren.
Eine Durchsicht kann zumindest nicht schaden, evtl. ist ein Kabel durchgescheuert. Eher unwahrscheinlich aber nicht ganz auszuschließen ist eine lose Steckverbindung, denn die haben gegen unbeabsichtigtes Lösen meist eine Arretierung.
Diese abstrakten Fehlermeldungen machen den Besuch bei einer Fachwerkstatt oder bei einem erfahrenen Schrauber notwendig. Im Fall der zweiten Warnmeldung, bei sich der Motor nicht mehr starten läßt, klingelt auch noch beim Abschleppdienst die Kasse. Die moderne Technik machts möglich.

Fehler selbst eingrenzen

Für den ambitionierten Schrauber gibt es zumindest die Möglichkeit den Fehler einzugrenzen. Das Zauberwort heißt „Service-/Händler-Betriebsart„. Ob man den Fehler dann aber auch lokalisieren und in Eigenregie beheben kann, liegt in den eigenen Qualitäten und Fertigkeiten.
Selbst wenn eine Fehlerursache zweifelsfrei erkannt wird, hat man auf Reisen in den seltensten Fällen das passende Werkzeug oder Ersatzteil zur Hand. Ein Werkstattaufenthalt, zumindest ein Abschleppvorgang, wird deshalb unvermeidlich sein.

Service-/Händler-Betriebsart (bzw. Wartungsmodus)


C00 bedeutet Fehlerfreiheit

In dieser Betriebsart wird im Tachodisplay anstelle des aktuellen Kilometerstands eine zweistellige Zahlenkombination mit vorangestelltem „C“ angezeigt.
Ist im Motorsteuergerät (ECM) kein Fehler gespeichert, erscheint dort der Code „C00„.

Betriebsartenwahlschalter und Diagnosestecker

Um in die Service-/Händler-Betriebsart zu wechseln, ist eigentlich ein sog. Betriebsartenwahlschalter vorgesehen. Der wird in den Diagnosestecker des Motorrads gestöpselt und durch umlegen des angebrachten Schalters das Motorsteuergerät in den Wartungsmodus geschaltet, worauf im Tachodisplay ein entsprechender Fehlercode angezeigt wird. Suzuki verkauft den Betriebsartenwahlschalter unter der Bezeichnung „Switch Mode Selector“ unter der Art.Nr. 09930-82720.
Häufig wird dieser Betriebsartenwahlschalter bei den diversen Anbietern auch als „Spezialwerkzeug“ benannt, was ihm einen etwas respektablen Touch verleiht. Dieses „Tool“ wird unter obiger Artikelnummer ab 10 EUR gehandelt. Wie zu erwarten, findet der nicht nur bei der 1250’er Bandit von Suzuki Verwendung, wie hier zu lesen ist:
http://www.burgman.de/wbb/index.php?page=Thread&threadID=3957.

Details zum Diagnosestecker an der 1250er Bandit


Nun muß der 6-polige Diagnosestecker aber erst freigelegt werden. Er sitzt hinter der Seitenverkleidung in Fahrtrichtung rechts unterhalb der Sitzbank. Dieses dreieckige Verkleidungsteil wird durch eine Inbusschraube und zwei Gummistöpsel gehalten. Nach Lösen der Inbusschraube läßt sich das Verkleidungsteil leicht abziehen.
Zum Vorschein kommt der Bremsflüssigkeitsbehälter (1), rechts daneben der vierpolige blaue Stecker des ABS-Sensors vom Hinterrad (2) und der gesuchte 6-polige weiße Diagnosestecker (3).
Der Diagnosestecker ist durch eine Kappe gegen Feuchtigkeit und Schmutz geschützt. Wird die seitliche Rastnase niedergedrückt, läßt sie sich leicht vom Stecker ziehen.


Diagnosestecker

Auf einer Tuningseite zur GSXR 1000 wurde ich detaillierter fündig: www.gsxr-fieber.de/…betriebsartenwahlschalt.
Dort wurde meine Vermutung bestätigt, daß es sich bei dem Diagnosestecker lediglich um ein Stück zweiadriges Kabel handelt. An dem hängt an dem einen Ende lediglich ein simpler Kippschalter und am anderen Ende ein Stecker. Das heißt: Ein Betriebsartenwahlschalter ist für die Umschaltung nicht nötig!
Weiter ist zu lesen, daß der Diagnosestecker das weiß/rote und das schwarz/weiße Kabel im Diagnosestecker an der GSXR verbindet, um das Motorsteuergerät in den Wartungsmodus zu schalten.
Leider hat der Diagnosestecker meiner 1250er Bandit keine dieser Kabelfarben. Von den sechs Plätzen sind vier kontaktiert. Fragt sich, welches Paar gebrückt werden muß.
Um einen eventuellen Schaden am Motorsteuergerät durch falsch verbundene Kontakte zu vermeiden, standen weitere Recherchen an. Wider Erwarten kam nicht mal ein Tip aus dem Banditforum.
Für einen Aha-Effekt sorgte schließich ein Detailfoto auf oneidasuzuki.com, das den Betriebsartenwahlschalter mit der Kontaktseite des Steckers zeigt. Deutlich sind dort zwei Kontaktschuhe zu sehen. Damit war klar, welche Kontakte an der 1250er verbunden werden müssen: www.oneidasuzuki.com/store/…/switch-mode-selector.html

Simple Drahtbrücke anstelle des Betriebsartenwahlschalters


gebrückte Kontakte 1 und 4

Wie schon erwähnt: Die Verwendung eines Betriebsartenwahlschalters ist völlig unnötig.
Da jetzt klar ist, welche Kontakte des Diagnosesteckers verbunden werden müssen, reicht ein Stück Draht vollkommen aus. Einen solchen ins Bordwerkzeug zu legen könnte also von Vorteil sein. Eine Büroklammer ist dafür ebenso geeignet.
Nebenher zur Ergänzung, weil im rechten Bild nicht ganz klar zu erkennen: Die Kontakte 2 und 6 im Diagnosestecker sind nicht belegt.
In einer der wenigen Quellen mit den zudem sehr spärlichen und ungenauen Angaben war zu lesen, die betreffenden Kontakte des Diagnosesteckers erst 4 Sekunden nach dem Anlassen des Motors zu brücken. Ein Grund war nicht angegeben. Das könnte mit dem Zeitbedarf zum Auslesen der diversen Sensoren durch das Motorsteuergerät zu tun haben.

Fehlercode-Anzeige im Display


C00 bedeutet Fehlerfreiheit

Gleich nachdem die Kontakte 1 und 4 gebrückt sind, leuchtet die FI-Lampe und im Tachodisplay erscheint anstelle der aktuellen KM-Anzeige eine zweistellige Zahlen- kombination mit vorangestelltem „C„. Ist im Motorsteuergerät (ECM) kein Fehler gespeichert, erscheint dort der Code „C00„.

Der Strich vor dem Fehlercode

Der Strich vor dem Fehlercode zeigt die Stellung des Drosselklappensensors als Ober-, Mittel- oder Unterstrich an. Mit dieser Anzeige läßt sich z.B. nach einer Synchronisation der Drosselklappen der Drosselklappensensor justieren.

Die Fehlercode-Liste: Auch für andere Suzuki-Modelle

Das oben beschriebene Vorgehen zur Fehlercode-Anzeige sollte auch für andere Suzuki-Motorräder und -Roller mit einem im Motorsteuergerät (ECM) integrienten Selbstdiagnosesystem mit Fehlerspeicher anwendbar sein. Die Fehlercode-Liste auf speedriders.eu dürfte dabei für alle entsprechend ausgerüsteten Suzuki-Modelle allgemeingültig sein.

Suzuki OBD-Tool zur Fehlerdiagnose

Bei meinen Recherchen war ich auch auf das OBD-Tool von Suzuki zur Fehlerdiagnose gestoßen. Das gibt es bei healtech-electronics.de und ist für diverse Suzuki-Modelle geeignet:
www.healtech-electronics.de/…obd-s01


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7 Reaktionen zu "Fehlerspeicher auslesen"

  1. Jörgen schreibt:

    Super Info! Danke Schön!
    Jörgen /Schweden

  2. Fuhrmann schreibt:

    Super Beitrag vielen Dank für die Mühe !

  3. Franz Klemenz schreibt:

    Sehr gute Anleitung, gut verständlich , bestens erklärt, ist mir eine große Hilfe.
    Besten Dank, immer gute Fahrt und viele Grüße aus Kärnten!

  4. Clemens schreibt:

    Vielen Dank für die Infos. Toll gemacht!

  5. Marcus schreibt:

    Gibt es auch eine Anleitung, wie man den Fehler selbst wieder löschen kann ?

    • Reiner von on2r.eu schreibt:

       
      Servus Markus,
      dazu habe ich damals nicht nachgeforscht. Mein Anliegen war es, bei einem etwaigen Problem den Fehler zumindest erstmal in Eigenregie einzugrenzen.
      Es ist aber davon auszugehen, daß zum Löschen eines Fehlers, bzw. zurücksetzen der Fehlerliste in der ECU ein Diagnosegerät gebraucht wird, wie es die Werkstätten haben.
      Wirf doch mal einen Blick auf Banditforum.de oder in ein anderes Forum, in dem sich Suzuki-Biker austauschen. Vielleicht kann dort jemand Auskunft geben. Du kannst mich bei einem Erfolg gerne wieder kontakten.
      Gruß, Reiner von on2r.eu

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