Tourenscheibe

Publiziert im Juni 2015

  2013er Modell: Suzuki V-Strom 1000 ABS (DL 1000 AL4)

Vario-Touringscreen von MRA

Das originale Suzuki-Windschild der 2014er V-Strom hält den Winddruck sehr gut ab. Probleme habe ich mit meiner Größe von 1,76 m aber am Helm (seit letzter Saison ein Shark Evoline Series 3, YouTube-Vorstellung). Ab Geschwindigkeiten von etwa 100 km/h stellen sich durch Verwirbelungen am Windschild nämlich unangenehme Helmvibrationen ein. Bei höheren Geschwindigkeiten werden die intensiver und führen dann sogar zu unscharfem Sehen.

Unzählige Versuche durch Neigungsverstellung des Windschilds und Montage in einer anderen der drei möglichen Höhen brachten keine nennenswerte Veränderung. Die Intensität der Vibrationen blieb in allen Fällen in etwa gleich.

Unabhängig von der Einstellung des Wundschilds wird fliegendes Getier mehr oder weniger direkt auf den Helm gelenkt. Die Hautflügler finden dort ihr jähes Ende und beeinträchtigen die Sicht durch das Visier mitunter ganz erheblich.
Das erinnert mich an meine beiden alten Bandits. Da hatte ich nämlich die gleichen Probleme mit deren originalen Windschildern. Eine deutliche Verbesserung bei der 1200er Bandit brachte im Vergleich zum Original-Windschild ein um einige wenige Zentimeter höheres Windschild von MRA. Bei der 1250er Bandit überzeugte der sog. Touring-Screen mit in der Neigung verstellbarem Spoiler, ebenfalls von MRA.

Bei der Recherche um diesem Problem beizukommen stellte sich heraus, daß die Auswahl an Aufsätzen für das originale Windschild oder alternativen Windschildern für die 2014er V-Strom nicht gerade üppig ist.

Unter anderem stieß ich auf den sehr überteuerten Aufsatzspoiler von MRA. Der ist recht universell konstruiert, kann auf das originale Windschild entweder geklemmt oder verschraubt werden und ist in mehreren Stufen verstellbar. In dessen ABE ist unter anderem zwar die 2004er V-Strom 1000 gelistet, nicht aber das 2014er Modell.
Auf Anfrage per Mail bei MRA bekam ich recht schnell die leider sehr lapidare Antwort, daß es aktuell keine Freigabe für die neue V-Strom gibt.
Diese Antwort löste bei mir Kopfschütteln aus! Gerade das war ja der Grund, weshalb ich anfragte, bis wann denn für die neue V-Strom mit einer ABE gerechnet werden könne. Nun ja, vielleicht hatte die Schreiberin einen schlechten Tag. Auf nochmalige Nachfrage bekam ich dann die Antwort, daß keine Freigabe geplant sei.

Nun wollte ich aber keine unbestimmte Zeit auf eine vielleicht irgendwann mögliche Freigabe warten. Deshalb schaute ich nach dem Touring-Screen mit verstellbarem Spoiler von MRA, wie er schon an meiner 1250er Bandit zu meiner vollsten Zufriedenheit im Einsatz war. Und siehe da, in dessen ABE ist auch die 2014er V-Strom 1000 zu finden.

Auf einschlägigen Fotos schien dieser Touring-Screen nicht sehr groß dimensioniert. Das Teil war etwas anders geformt, aber tatsächlich nicht größer als das Original-Windschild.

Beim Anhalten stellte ich dann zu meiner Überraschung fest, daß sich die Befestigungslöcher überhaupt nicht mit denen der originalen Scheibe decken. Da sind ein paar Zentimeter unterschied. Um diese Differenz auszugleichen, liegen dem Montagematerial zwei gekantete und gebohrte Distanzbleche bei. Diese Bleche werden mit den beiliegenden Schrauben auf die Verstellmechanik der V-Strom geschraubt und dann die MRA-Scheibe mit ebenfalls mitgelieferten Schrauben auf die Bleche.

Was hat die Entwickler bei MRA wohl dazu hinreißen lassen, sich bei der Planung der Befestigung nicht am originalen Windschild zu orientieren? Ich weiß es nicht. Die paar Zentimeter hätten sicherlich keinen großen Unterschied gemacht. Wenn man wenigstens die Torxgröße der Befestigungsschrauben der originalen Scheibe verwendet hätte, dann würde ein einzelner Schraubendreher ausreichen.
Diese Art der Befestigung finde ich etwas anwender-unfreundlich und ein wenig praxisfern. Sollte es nämlich mal gewünscht oder erforderlich sein, das MRA-Schild in der Höhe zu verstellen, muß erst mal das Windschild demontiert werden. Dann erst kommt man an die Schrauben heran, mit denen die Distanzbleche an der Verstellmechanik befestigt sind. Was denken sich die Entwickler nur dabei? Ich habe dafür nur Kopfschütteln übrig.

Mein Fazit

Darfs die getönte oder die klare Scheibe sein?

Diese Vario-Tourenscheibe gibt es als getönte und als klare Ausführung bei bs-motoparts.com für knapp über 100 Euro. Polo-Motorrad hat sie ebenfalls im Sortiment.
Auf meiner zurückliegenden Tour von über 6000 km durch Korsika und Sardinien habe ich festgestellt, daß die Sicht durch die getönte Scheibe nicht optimal ist. Dort, wo durch Scheibe und Spoiler hindurchgesehen werden muß, verdoppelt sich die Tönung. In diesem sehr dunklen Sichtbereich sind bei schlechten Straßenverhältnissen vorausliegende Behinderungen wie z.B. Schlaglöcher nur sehr schwer zu erkennen. Auf schlechtem Untergrund muß deshalb sehr vorausschauend gefahren werden.
Dazu muß ich aber anmerken, daß ich die MRA-Scheibe in der höchsten der drei möglichen Positionen montiert habe. Die Sicht nach vorne wird in einer der unteren Stufen sicherlich besser. Allerdings wird der Fahrtwind dann stärker zum Fahrer gelenkt.
Weil ich nicht nur auf Straßen mit „ordentlichem“ Belag unterwegs bin, wäre die Wahl der klaren Ausführung für meine persönlichen Bedürfnisse wohl besser gewesen.

Spoiler-Einstellung

Der Spoiler läßt sich 7-fach verstellen. Je höher und damit senkrechter er eingestellt ist, desto höher wird die Luftströmung gelenkt.

Verwirbelungen und Windruck

Wie erwähnt, habe ich die MRA-Scheibe in der höchsten der drei möglichen Positionen montiert. Dadurch halten sich die Verwirbelungen am Helm gegenüber der originalen Scheibe sehr in Grenzen.
Die Vibrationen am Helm sind fast völlig verschwunden und selbst bei 200 km/h treten die nur gering auf. Der frontale Winddruck an Helm und Schultern wird ebenso abgehalten, wie es die Originalscheibe schon getan hat.
Durch die gute Hinterströmung der Scheibe ist für ausreichend Kühlung bei heißen Temperaturen gesorgt, ohne daß es bei geöffneter Jacke unangenehm zieht.

Einschläge von Hautflüglern an Helm und Visier

Zu meiner Enttäuschung hat sich bei diesem Punkt im Vergleich zur originalen Scheibe nur wenig verbessert. Je weiter der Spoiler nach unten gestellt wird, desto tiefer wird die Luftströmung an den Fahrer gelenkt und desto mehr Geflügel bekommt der Fahrer ab. Lediglich in der höchstmöglichen Rastposition des Spoilers schagen so gut wie keine Insekten mehr ins Visier.
Ich bin 176 cm groß. Größeren Fahrern kann ich aufgrund meiner Erfahrungen diese Tourenscheibe deshalb nicht wiklich empfehlen.

Bezugsquellen

getönte Ausführung:
bs-motoparts.com/…vario-touringscreen-mra-suzuki-v-strom-1000…rauchgrau…
polo-motorrad.de/…vario-tourenscheibe-suzuki-dl-1000-v-strom-ab-14-getont…
klare Ausführung:
bs-motoparts.com/…vario-touringscreen-mra-suzuki-v-strom-1000…klar…
polo-motorrad.de/…vario-tourenscheibe-suzuki-dl-1000-v-strom-ab-2014-klar…


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Eine Reaktion zu "Tourenscheibe"

  1. Motomicha schreibt:

    Ja, ja, das kenne ich auch. Habe die Originalscheibe erst versetzt, dann gekürzt und zum Schluß ganz abgebaut. Nun sieht die V-Strom nicht mehr ganz so cool aus, dafür fährt es sich sehr angenehm, die hohe Konsole ist ja selbst schon ein Windschutz. Kopf und Oberkörper sind im Wind, sozusagen Motorradfahren pur. Die kleinen harten ´Ohrfeigen´ von den Wirbeln der alten Scheibe sind völlig verschwunden, der Helm wird nicht mehr geschüttelt und gerüttelt. Ich kann so stundenlang ermüdungsfrei fahren, über 170 ist´s allerdings unangenehm….

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