Reifenwahl

 
 
Publiziert im Juli 2015
Aktualisiert im Okt. 2015

  2014er Modell: Suzuki V-Strom 1000 ABS (DL 1000 AL4)


Suzuki V-Strom 1000 ABS
Bildquelle: motorrad.suzuki.de/adventure

Mit 65.000 km hat meine 1000er V-Strom die 2016er Saison abgeschlossen.
Wie an anderer Stelle schon erwähnt, stufe ich mich nicht als Raser ein, bin aber unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und Einhaltung der jeweiligen Geschwindigkeitsbeschränkungen gerne in sehr sportlicher Fahrweise unterwegs.
Die Alpenländer mit ihren kurven- und kehrenreichen Gegenden sind mein bevorzugtes Revier. Nach einer Kehre beschleunige ich recht flott zur nächsten, um dort gleich wieder beherzt abzubremsen. Die Nadel des Drehzahlmessers ist deshalb immer sehr dynamisch unterwegs und der Motor permanent in unterschiedlichen Lastzuständen. Ein Gleichmäßigkeitsfahrer bin ich also beileibe nicht. Das dankt ein Reifen dann schon mit etwas erhöhtem Verschleiß.
Eigentlich sollte in 2014 die V-Strom 1000 ABS die 1250er Bandit ablösen, um ein wenig gemächlicher über die Alpenpässe zu cruisen. Schließlich wird man ja auch nicht jünger. Aber bei dem Potential der V-Strom ist genau das Gegenteil eingetreten. So hatte ich z.B. Schräglagen bis hin zum Fußrastenschleifen mit meinen beiden Bandits nie erreicht. Mit der V-Strom ist das zu meiner Freude je nach Reifenqualität und Fahrbahnbeschaffenheit aber sehr streßfrei möglich.

Der Reifenverschleiß hängt von vielen Faktoren ab. Die eigene Fahrweise gehört dazu. Andere Biker werden mit den aufgeführten Reifen bestimmt auf eine andere Laufleistung kommen.
Nachfolgende Erfahrungen sind rein subjektiv und spiegeln meine Meinung wieder.

straßenorientierte Reifen

  1. Bridgestone Battle Wing BW 501/502 Originalbereifung
    Wurde/wird in der Fachpresse und „Fachforen“ völlig zu Unrecht schlecht gemacht.
  2. Michelin Anakee III unproblematisch mit unüberhörbarem Abrollgeräusch
  3. Metzeler Tourance Next beste Wahl für meinen Fahrstil auf der V-Strom 1000 ABS
  4. Bridgestone Battlax Adventure A40 zuverlässig in allen Fahrsituationen
  5. Michelin Pilot Road 4 Trail schlechte Straßenhaftung & mittelmäßige Laufleistung

geländetaugliche Reifen

  1. Metzeler Karoo 3 grobe Stollen mit dürftiger Laufleistung am Hinterrad
  2. Mitas E07 Dakar extrem unruhiges Verhalten jenseits von 130 km/h

Bridgestone Battle Wing BW 501/502 (vorne/hinten)

Bridgestone Battle Wing BW 501/502
Bridgestone
Battle Wing BW 501/502

Laufleistung ca. 9000 km
Kein wirklich schlechter Reifen, mit dem meine V-Strom ausgeliefert wurde. Er hat allerdings auch keine besonderen Schwächen oder Stärken. Mit der Ausführung „J“ extra für die V-Strom entwickelt, so schreiben zumindest Suzuki und Bridgestone.
Der Hinterreifen war nach ca. 9000 km mit dem Profil am Ende, der Vorderreifen hätte bestimmt noch 1000 km gehalten. Die relativ hohe Laufleistung kam wohl zustande, weil ich mit der nagelneuen V-Strom in der Anfangszeit doch recht handsam unterwegs war und weniger heftig am Gaszug gerissen hatte. Nach einer Eingewöhnungsphase kam ich mit dem Reifen sogar sehr gut zurecht.
Weshalb er in der Fachpresse mitunter sehr schlecht wegkommt und in den einschlägigen „Fachforen“ auch fast nur negatives über ihn zu lesen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Da hat wohl ein Redakteur seine Meinung hinausgeblasen, die von anderen dann ungeprüft aufgenommen wurde. Und in den Foren plappert meist nur einer dem anderen nach, ohne Fakten auf den Tisch zu legen. Stammtischweisheiten halt.

Michelin Anakee III

Michelin Anakee III
Michelin
Anakee III

Laufleistung ca. 6000 km
Gekauft und montiert in Arco (Gardasee/Italien) in 2014.
Ein Reifen mit gutem Grip. Laut Popometer ist er etwas weicher als der ab Werk montierte Battle Wing. Trotz seiner merkbar dämpfenden Eigenschaften rollt er hart ab, das Feedback von der Straße war entsprechend gut.
Ruhiges Verhalten auch bei sehr starker Bremsung vor Kurven. Dafür läßt er sich aber von den Rillen auf abgefrästen Straßen leicht beeinflussen.
Der Anakee III war ein unüberhörbarer Begleiter! Nach ein paar dutzend Kilometern machte er sich plötzlich bei Geschwindigkeiten zwischen 70 und knapp über 100 km/h mit einem gleichbleibenden und unüberhörbaren Dauerton bemerkbar. Nach um die 4500 km Laufleistung verschwand der Ton dann langsam. Auf längeren Strecken kann das schon mal auf die Nerven gehen. Bei Michelin bezeichnete man das in einem Bericht zum Thema Reifenherstellung als „Orgelpfeifenklang“, der beim Strömen der Luft durch das Reifenprofil entsteht.
Bei Regen zeigt er dagegen keine Schwäche. Auch beim dosierten Bremsen bei Starkregen und sehr viel Wasser auf der Fahrbahn bleibt er in Schräglage sauber in der Spur.
Einmal war ich mit ihm 500 km in 8 Stunden vom Gardasee bis München unterwegs. In permamentem Dauerregen, teils heftig prasselnd. Nur wenige Male hatte der Hinterreifen auf den Bergpässen in engen Kehren kurz den Grip verloren. Allerdings hatte ich da etwas zu heftig am Gashahn gezogen. Ein kurzen Rutscher, dann hatte er sich sofort wieder gefangen. Man sollte es halt nicht übertreiben und bei Regen auch die Profiltiefe berücksichtigen.
Der Reifen wird beworben mit „Innovatives Enduro Profil“. Das finde ich ganz erheblich übertrieben! Festgefahrener Untergrund geht noch, aber auf losem Unterbau ist die Spur nicht mehr zu halten. Allerdings habe ich nicht wirklich viel Erfahrung in diesem Geläuf.
Das Profil am Hinterreifen war nach ca. 6000 km bis auf etwa 1 Millimeter über die kompletten Lauffläche verschlissen. Dank sei den unzähligen Kurven auf Korsika und Sardinien und dem dortigen extremen Grip. Der Vorderreifen wäre sicherlich für weitere 1000 km gut gewesen.

Metzeler Tourance Next

Metzeler Tourance Next
Metzeler
Tourance Next

Laufleistung ca. 7000 km
Gekauft und montiert in Arbatax (Sardinien/Italien) in 2015.
Das erste Reifenpaar in meiner Laufbahn als Biker, bei dem sich der Vorderreifen genauso schnell und gleichmäßig abnutzt hat wie sein Kollege am Hinterrad.
Bei diesen Reifen brauchte ich zu Anfang ein wenig Eingewöhnung, denn gleich nach dem Aufziehen der Pneus war das Motorrad beim Rangieren und bei langsamer Fahrt im niedrigen Gang sehr kippelig. Das mag mit ein Grund sein, warum sich das sowieso schon sehr gut händelbare Bike noch leichter in Schräglage legen läßt und noch agiler durch die Kurven zirkelt.
Der Grip und das Feedback von der Straße waren nochmal etwas besser als beim Michelin Anakee III, etwas härter ist er auch. Leider läuft er den Rillen auf abgefrästen Straßen gerne nach.
Das Bike bleibt auch bei sehr starker Bremsung vor Kurven absolut ruhig. Und auch hier: Schräglagen bis zum Angststreifen und bis die Fußraste kratzt.
Zum Verhalten bei Regen kann ich keine Auskunft geben – ich hatte Glück mit dem Wetter.
Auch dieser Reifen ist straßenorientiert, für festgefahrenen Untergrund noch gut, m.E. aber für loses Geläuf absolut nicht geeignet.

Bridgestone Battlax Adventure A40

Bridgestone Battlax Adventure A40
Bridgestone
Battlax Adventure A40

Gekauft und montiert für 224,- € in Deutschland in 2015.
Vorne 90,- € + Hinten 104,- € + Montage 2 x 15,- €
Nach 1500 km im Gebirge (Brenner, Jaufenpass, Timmelsjoch, Hahntennjoch, Namloser Tal und das Ganze retour) komme ich zu dem Schluß, daß mir der Reifen zu weich ist. Damit hat er zwar eine gute Selbstdämpfung, ein Feedback von der Straße kommt bei härteren Reifen aber deutlich besser durch. Spurrillen auf abgefrästen Straßen bringen ihn in keinster Weise aus der Ruhe.
Mit seinem sehr guten Grip unterstützt er Schräglagen bis zum Aufsetzen der Fußrasten mindestens genauso gut wie der Metzeler Tourance Next. Das zeigte er bei der Abfahrt vom Timmelsjoch hinunter ins italienische Passeiertal und der Fahrt über die sehr kurvige Kesselbergstraße zwischen Walchen- und Kochelsee.
Eine Schwäche hat er aber beim starken Anbremsen vor Kurven, da kommt nämlich das Heck mehr oder weniger stark ins taumeln – noch bevor das ABS einsetzt. Wird dabei zusätzlich noch in einen niedrigen Gang geschaltet und die Kupplung gelöst, überträgt sich die Unruhe auch auf das Vorderrad. Das finde ich zwar noch beherrschbar, einen weniger routinierten Fahrer könnte das aber überraschen und die Bremse lösen lassen. Eine unangenehme Eigenschaft ist das aber allemal, die ich bisher nur von meinen beiden großen und schwereren Bandits kannte.
Zum Verhalten bei Regen kann ich noch keine Auskunft geben.
Update: Ende September 2015, sechs Tage Dolomiten, trockene und freie Straßen, Temperaturen oft weit unter 10°C. Sogar nur 2°C auf dem Giaupass (2233 m) und 3°C auf dem Monte Crostis (2251 m) und oben auf dem Mangart in Slowenien.
Selbst bei diesen tiefen Temperaturen zeigte der Reifen hervorragenden Grip. Auch bei schärferer Fahrweise in tiefer Schräglage hatte er die Haftung nicht verloren.
Um das weiter auszutesten, habe ich in eng gefahrenen Kehren im 2. Gang mehrmals übertriebenen stark am Gashahn gezogen. Da blieb wie zu erwarten das kurzfristige Ausbrechen des Hinterrads nicht immer aus. Diese kleinen Rutscher merkt man aber sofort und nach Gaswegnahme fängt er sich gleich wieder, ohne eine nenneswerte Unruhe ins Bike zu bringen. Zu meiner Überraschung kam die Traktionskontrolle (Stufe 1) meiner 1000er V-Strom dabei nie in den Regelbereich. Vielleicht war ich schneller? 🙂
Der sehr glatte Straßenbelag auf der Ostrampe des Passo di Fedaia (2057 m) fördert den Verlust der Haftgrenze noch zusätzlich. Mit der gleichen schlechten Belagqualität wartet der obere kurvige Teil der Westauffahrt zum Hahntennjoch (1909 m) bei Imst in den Lechtaler Alpen auf.
Zwischenstand nach 4000 km: Hinten wie vorne bei sehr gleichmäßiger Abnutzung bis hin zum äußeren Schulterbereich noch mehr als die Hälfte des Profils vorhanden.
Das Taumeln beim starken Anbremsen zeigt sich bei weitem nicht mehr so ausgeprägt wie zu Beginn.

Michelin Pilot Road 4 Trail

Metzeler Tourance Next
Michelin
Pilot Road 4 Trail

Gekauft und montiert in San Sebastian (Spanien) in 2016.
Während meiner Pyrenäen-Tour brauchte ich einen Satz Reifen. Aber das wußte ich schon vor Tourbeginn. Meist ist es so, daß man bei den Händlern vor Ort das nehmen muß, was gerade da ist. Das ist in Deutschland nicht anders. So kam ich in Spanien zum „Michelin Pilot Road 4 Trail“.
Dessen Urahn, der Michelin Pilot Road (damals noch ohne Nummernzeichen), ist mir noch bestens als ganz hervorragender Regenreifen auf meiner damaligen Suzuki Bandit 1200 in Erinnerung. Zumindest diese eine positive Eigenschaft hat sich auf den Road 4 Trail vererbt. Davon konnte ich mich auf einigen 100 km Fahrt im Dauerregen durchs Gebirge sehr ausgiebig überzeugen. Spurrillen läuft er erfreulicherweise nur minimal hinterher und bei Bodenwellen macht sich seine gute Eigendämpfung bemerkbar.
Leider mag er sich auf trockenem Untergrund und Schräglage nicht gerade übermäßig stark mit dem Straßenbelag verhaften. Auch nicht nach einigen 1000 km Fahrleistung und Belägen mit sehr hohem Grip. Das kommt es mir auf meinen kurvigen Lieblingsstrecken im Gebirge natürlich sehr ungelegen, wenn der Hinterreifen in tiefer Schräglage bei wenig Gaszugabe plötzlich ausbricht. Allerdings sind das nur kurze Rutscher und der Reifen fängt sich auch gleich wieder, ohne große Unruhe ins Motorrad zu bringen. Dieser gutmütige Umstand dürfte zum Großteil aber unzweifelhaft der beinahe alles verzeihenden V-Strom geschuldet sein. Unangenehm ist diese kurzzeitige Wegrutschen aber in jedem Fall und dürfte bei ungeübteren Bikern den Fahrspaß ganz gehörig reduzieren.
Ein Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage ist natürlich vorhanden, aber nicht sehr ausgeprägt. Da hatte ich an meinen großen Bandits mit ganz erheblich größeren Kräften zu „kämpfen“.
Abseits asphaltierter Straßen zieht er auf Wegen mit festgefahrenem Untergrund sehr zuverlässig seine Spur, ohne beim gefühlvollen Gasgeben nennenswert auszubrechen.
Meine erreichte Laufleistung am Hinterrad waren knapp 6000 km bis zum notwendigen Wechsel, der Vorderreifen glänzte da noch mit beinahe der Hälfte der Profilhöhe.
Trotzdem ist die Laufleistung nicht mal mittelmäßig. Denn Michelin gibt sehr vollmundig an, daß der Pilot Road 4 stolze 20% länger halten würde als der Pilot Road 3. Das bezeichne ich als absolut unglaubwürdig. Ich komme zu dieser Einschätzung, weil ich mit dem Hinterreifen wie oben angegeben gerade mal knapp 6000 km geschafft hatte. Dabei war ich in den Pyrenäen wirklich sehr zurückhaltend unterwegs. Lediglich bei einer späteren 4-Tages-Tour auf schweizer Pässen um den Sankt Gotthard herum hatte ich ausgiebiger am Gasgriff gedreht und für etwas Gummiabrieb gesorgt.
Über den Pilot Road 3 kann ich nicht urteilen. Aber wenn ich meine 6000 km bis zum fast vollständigen Profilverlust am Road 4 zugrunde lege, dann würden sich für den Road 3 gerade mal 5000 km ergeben. Das wäre eine absolut erschreckend niedrige Laufleistung.
Trotzdem hatte ich einen neuen Hinterreifen des Pilot Road 4 Trail bestellt und aufziehen lassen. Warum? Weil das noch vorhandene Profil des Vorderreifens zu Schade für eine Entsorgung gewesen wäre. Das würde aber anders aussehen, wenn ich mich nicht an die beschriebenen kurzen Rutscher in Schräglage gewöhnt hätte und die auch beherrschbar bleiben.

Mein Fazit

Aufgrund meiner Erfahrung mit den bisherigen Reifenpaaren ist der Metzeler Tourance Next mit seinen hervorragenden Eigenschaften die aktuell beste Wahl für meinen Fahrstil auf der V-Strom 1000 ABS. Auf dem zweiten Platz folgt der Michelin Anakee III.
Letzter auf meiner Liste ist der Michelin Pilot Road 4 Trail. Der landet dort wegen seiner schlechten Gripqualitäten und dem vergleichweise schnellen Gummiverschleiß am Hinterrad.


Und jetzt: Was fürs Gelände

Schon seit den Anfängen meiner Motorradkarriere in 2005 versuche ich mich immer wieder an längeren Schotterpassagen. Legale Möglichkeiten gibts dafür ja einige. Beispielsweise all die Kammstraßen und alte Militärstraßen im italienischen/französischen Grenzgebiet.
Mit einer straßenorientierten Reifenwahl mußte ich im Geläuf abseits befestigter Wege meine Vorhaben aber immer wieder abbrechen. Auf losem Untergrund kommt mit diesen Pneus nämlich keine rechte Fahrfreude auf, weil die Spur nur schwer oder gar nicht zu halten ist.
Das artet dann immer wieder in einen Kampf mit einem schlagenden Lenker und/oder einem ausbrechenden Hinterrad aus. Deshalb kam in 2017 erstmals was geeignetes auf die Felgen.

M+S-Aufkleber
M+S-Aufkleber
für geländetaugliche Pneus

Geländegängige Reifen mit entsprechendem Profil sind oft nur bis max. 190 km/h oder sogar darunter zugelassen. Damit liegen sie häufig unterhalb der bauartbedingten Höchst-geschwindigkeit PS-starker Bikes.
Damit diese Reifengattung überhaupt an einem solchen Bike im öffentlichen Straßenverkehr gefahren werden darf, gehen die Hersteller den „Umweg“ über eine M+S-Kennzeichnung (Matsch+Schnee). Eigentlich zeichnet das einen Reifen für seine Wintertauglichkeit aus. Die Handhabung erfolgt also wie im Kfz-Bereich, wo ein Aufkleber mit der max. zulässigen Geschwindigkeit eines M+S-Reifens im Sichtfeld des Fahrers platziert wird. Und weil ein solcher Reifen ganzjährig gefahren werden darf, hat man für ein Motorrad ganz legal eine ideale Bestückung für entsprechendes Gelände.
Sofern solche Reifen das Bike schmücken, wird ein fehlender Aufkleber bei der Hauptuntersuchung als „erheblicher Mangel“ eingestuft und bei einer Kontrolle durch die Ordnungshüter ein Bußgeld fällig.

Die Fahndung nach freigegebenem Reifenmaterial für meine 1000er V-Strom von 2014 fiel nach einiger Sucherei aber sehr ernüchternd aus. Während die alte 1000er V-Strom bis zum letzten Modelljahr in 2007 auf beinahe allen erhältlichen straßen- und geländetauglichen Reifenmodellen ganz offiziell unterwegs sein durfte und darf, trifft das auf das Nachfolgemodell (ab Baujahr 2014) leider überhaupt nicht zu.
Nur sehr wenige Pneus erfüllten bis zum Frühjahr 2017 die Reglementierungen von Suzuki oder haben für meine V-Strom eine Freigabe vom Reifenhersteller. Und weil ein Grobstoller für die Anfahrt zu den Zielen auch auf Asphalt noch Freude machen und ein wenig Fahrkomfort an den Tag legen soll, bleibt aktuell nur der Metzeler Karoo 3 übrig.
Ein jämmerliches Rechercheergebnis, das noch nicht mal als „dürftig“ bezeichnet werden kann.

Metzeler Karoo 3   grobe Stollen für Straße, Schotter und Gelände

Metzeler Karoo 3
Metzeler
Karoo 3

Laufleistung: schätzungsweise 4000 km am Hinterrad
Gekauft und montiert für 187,- € in Deutschland in 2017.
Vorne 71,- € + Hinten 92,- € + Montage 2 x 12,- €
Getestet hatte ich den Metzeler Karoo 3 auf einer Dolomitentour über fünf Tage und 2150 km. Er läßt sich auf Asphalt wie ein moderner Straßenreifen händeln und glänzt auch mit einem sehr hohen Grip. Da kann ihm so mancher straßenorientierter Reifen nicht das Wasser reichen.


Das Negativste gleich vorweg:

Der Hinterreifen neigt auf trockenem Asphalt bei Gefahrenbremsung und scharfen Anbremsen vor Kurven durch die Lastwechselreaktion sehr stark zum Schmieren und Taumeln, noch bevor das ABS in den Regelbereich kommt. Das Bike wird in dieser Situation beinahe unkontrollierbar. Durch das Lösen der Hinterradbremse werden Hinterreifen und Bike aber beinahe sofort wieder stabil.

Permanentes Abrollgeräusch. Wegen der äußert grobstolligen Profilierung ist der Reifen wie zu erwarten kein Leisetreter. Gleich nach dem Anrollen stellt sich ein Brummgeräusch ein, das sich bis zu seiner erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h in der Tonlage auch noch etwas erhöht. Das ist bei einer längeren Autobahnetappe oder eintöniger Überlandfahrt sehr lästig.
Hier merke ich auch gleich noch an, daß der Karoo 3 durch die M+S-Kennzeichnung die Voraussetzungen für den Winterbetrieb erfüllt und Metzeler eine max. zulässige Geschwindigkeit für die 1000er V-Strom von 190 km/h vorgibt. Sollte die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit des Bikes darüber liegen, muß im Sichtfeld des Fahrers ein Geschwindigkeits-Hinweis angebracht werden. Das wird im Kfz-Bereich ebenso gehandhabt. Diese kleinen Aufkleber sollte jeder Reifenhändler vorrätig haben. Am Bike empfiehlt sich ein wasserfester Aufkleber auf einem Kunststoff-Träger.

Tiefe und stabile Schräglagen bis in den Außenbereich der Seitenstollen sind bei trockener Straße unproblematisch möglich.
Spurrillen auf abgefrästen Straßen läuft er in keinster Weise hinterher. Bei Bitumenflicken neigt er in Schräglage zum Wegrutschen – diese unschöne Eigenart zeigt sich aber bei beinahe allen Motorradreifen.
Regen mag er nicht besonders. Da verliert der Hinterreifen in engen Kurven beim Herausbeschleunigen schnell die Haftung. Das finde ich aber noch kontrollierbar und er fängt sich bei Gaswegnahme auch schnell wieder, ohne eine Unruhe ins Bike zu bringen.
Beim Bremsen in Schräglage konnte ich kein Aufstellmoment bemerken.

Schotteretappen machen mit ihm viel Fahrspaß und Laune. Die steckt er wie zu erwarten sehr gut weg.
In den Dolomiten konnte er das z.B. auf dem unbefestigten Teil des Forstwegs über das Forcella Lavardet zeigen. Streckenweise war der mit einer frischen Lage Schotter präpariert, die noch nicht festgefahren war. Das brachte den Karoo 3 in keinster Weise aus der Ruhe oder gar ins Schlingern. Sauber und gerade zogen Vorder- und Hinterrad ihre Spur durch den lockeren Untergrund. Bei versuchsweisen Gasstößen im 2. Gang brach noch nicht mal das Hinterrad zur Seite aus. Da sorgen die bis weit in den Seitenbereich ragenden Stollen für eine ordentliche Seitenführung.
Und auf dem festgefahrenen Untergrund der unasphaltierten und schmalen Höhenstraße Panoramica delle Vette zeigte er sich absolut unbeeindruckt.
Auf diesen Schotteretappen hatte mir der Karoo 3 immer ein gutes und sicheres Gefühl vermittelt. Gar kein Vergleich zu straßenorientierter Bereifung, die konstruktionsbedingt bei frischem Schotter die Spur nicht wirklich halten kann.

Metzeler Karoo 3 -
 Verschleiß nach 2150 km
Metzeler Karoo 3
übermäßiger Verschleiß nach 2150 km
Ein zweiter großer Negativpunkt ist der schnelle Verschleiß des Hinterreifens. Bei der Dolomitentour wollte ich mich eigentlich nur an diesen Reifen gewöhnen und ihn ein wenig austesten. Später im Jahr wollte ich mit ihm die unbefestigten Militär- und Grenzkammstraßen im hochalpinen Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien endlich mal in ihrer ganzen Länge zu genießen. Für diese geplante Tour reicht die restliche Profiltiefe am Hinterrad bei weitem nicht mehr aus.
Am Tourende nach 2150 km sind am Hinterreifen von ursprünglich 9 Millimeter gerade noch 4 Millimeter in der Mitte der Lauffläche vorhanden. Das ist ein geradezu verschwenderischer Gummiverlust. So etwas habe ich bisher in den Dolomiten nie erlebt. Diesen Effekt kenne ich höchstens von Sardinien, denn dort läßt sich bei etwas schärferer Fahrweise auf einer Tagesetappe auf den für europäische Verhältnisse übermäßig rauen Straßen etwa ein Millimeter über die gesamte Lauffläche abschmirgeln.
Dafür zeigt sich der Vorderreifen eher unbeeindruckt. Von seinen ursprünglich ebenfalls 9 Millimeter sind nach den 2150 km immerhin noch 7 Millimeter in der Mitte der Lauffläche vorhanden. Das ist dann schon eher ein Wert, wie ich ihn von meinen bisherigen Straßenreifen her kenne.
Über den Karoo 3 hatte ich vorab einige Postings mit Laufleistungen von 12.000 bis 15.000 km am Hinterrad und 22.000 km am Vorderrad gefunden. Da frage ich mich nach der Tour schon, wie diese Biker ihr Fahrzeug bewegen?
Eine hohe Abnutzung wird durch die großen Abstände zwischen den Profilblöcken begünstigt. In Summe ergibt sich gegenüber einem reinen Straßenreifen eine erheblich geringere Lauffläche. Der Einfluß durch die Gummimischung ist natürlich auch erheblich, denn je weicher desto früher futsch.
Und da ist natürlich auch noch das eigene Fahrverhalten, das den Reifenverschleiß ganz erheblich beeinflußt. Da muß ich zugeben, daß mein Fahrstil als Solofahrer nicht gerade vorbildhaft ist. Auf einem Bike war ich nämlich noch nie ein ausgesprochener Gleichmäßigkeitsfahrer. Da mache ich im kurvigen Geläuf schon sehr gerne den Gashahn auf und zu und bremse auch recht spät vor und in eine Kurve oder Kehre hinein. Aber das kann keine dermaßen hohe Diskrepanz zu den gefundenen Laufleistungen erklären.

Mitas E07 Dakar   feine Stollen für Straße, Schotter und Gelände

Mitas E07 Dakar
Mitas
E07 Dakar

Laufleistung bisher in 14 Tagen bis zum 09.08.2017 sehr exakte 4.500 km, davon 1.000 km im mittelitalienischen Apennin bei bis zu 38°C Lufttemperatur.

Der Verschleiß am Vorderreifen ist über seine bisherige Laufleistung nicht der Rede wert, obwohl ich vorwiegend auf Asphalt und bestimmt nicht reifenschonend unterwegs bin.
Das Profil hat noch nicht mal bis zum Mittelsteg in der Mitte der Lauffläche abgebaut. 3 mm sinds bis dahin noch. Der am Mittelsteg nebenan liegende Profilblock hat noch 5,3 mm und zur Seite hin sind es noch 5,7 mm.
Somit könnte der Vorderreifen weit über 10.000 km halten, vielleicht sogar die im Web gefundene Angabe von 15.000 km.
Beim Verschleiß am Hinterreifen sieht es natürlich etwas schlechter aus, schließlich bekommt der bei meiner ausgeprägt sportlichen Fahrweise die vielen Lastwechsel ganz deutlich zu spüren. Aber da glänzt er mit seinen 4.500 km auch noch mit sehr viel Profiltiefe.
Sein Gummi hat natürlich bis zum Mittelsteg abgebaut. Gleich neben dem Mittelsteg sind von ursprünglich 14,0 mm aber noch fast 5,0 mm vorhanden. Zur Seite hin sind es sogar noch 10,0 mm. Da wären wohl noch um die 2.000 km drin.

Leider ist sein Fahrverhalten auf der V-Strom 1000 ABS bei Autobahn-Reisetempo mehr als gewöhnungsbedürftig, eher schon grenzwertig.
Während der Einfahrphase zeigt er sich sehr kippelig und versucht permanent, seine eigene Linie zu fahren. Das kannte ich bisher nur vom straßenorientierten Metzeler Tourance Next (siehe oben). Da heißt es bei niedrigem Tempo mit kleinen Lenkbewegungen immer wieder zu korrigieren. Diese Einfahphase zieht sich immerhin über mehrere hundert Kilometer.
In dieser Zeit reagiert er bei Schräglage sehr störrisch und muß regelrecht in die Kurve gedrückt werden, bis er dann ab einem bestimmten Schräglagenwinkel wie von selbst weiter über eine imaginäre Kante kippt. Als vertrauensbildende Eigenschaften kann das überhaupt nicht bezeichnet werden.
Nach der Einfahrphase läßt er sich auf Asphalt wie ein moderner Straßenreifen fahren und hat auch das unschöne „Kantenkippen“ abgelegt. Beim beherzten Dreh am Gasgriff setzt er das hohe Drehmoment meiner V-Strom ohne durchdrehendes Rad in Vorwärtsbewegung um. Und durch seinen hohen Grip sind Schräglagen bis zum Kratzen der Fußrasten möglich. Ein Aufstellmoment beim Bremsen in Kurven bzw. Schräglage konnte ich bisher nicht wirklich feststellen. Spätestens hier hat er mich überzeugt und Vertrauen aufgebaut.
Regen und Näße. Dazu kann ich noch kein Urteil abgeben, weil mir Petrus bisher gutes Wetter mit dem Mitas beschert hat.
Schnelle Geschwindigkeiten sind aber überhaupt nicht seine Domäne. Bei Autobahnfahrten ab 130 km/h fängt das Motorrad leicht zu schlingern an, was sich bei zunehmender Laufleistung sogar noch ganz erheblich verstärkt. Da spielt es noch nicht mal eine Rolle, ob voll bekoffert oder ohne zusätzliches Gepäck. Und völlig egal ob gerade aus oder in Schräglage – da reicht dann schon ein kleiner Impuls wie z.B. eine Dehnungsfuge, um eine ganz gehörige Unruhe ins Bike zu bringen.
Vertrauen eingebüßt hat er bei meiner Fahrt aus dem Apennin mit etwa 2.500 km Reifen-Laufleistung. Da kam nämlich noch zusätzlich ein Poltern vom Vorderrad dazu, das ab etwa 150 km/h auftritt und mit zunehmender Geschwindigkeit gleich bleibt. Das überträgt sich sehr ungedämpft auf das Motorrad und ist wie ein Ritt auf dem Bohrhammer einer Abrißfirma. Eine Autobahnfahrt ab dieser Geschwindigkeit wird da beinahe unmöglich.
Und weil er ab 130 km/h wie oben beschrieben sowieso zum Schlingern neigt, addieren sich da zwei extrem unschöne Eigenschaften.

Genau die gleichen negativen Eigenarten beschreibt auf Nachfrage der Reifenhersteller Heidenau für seinen K60 Scout in Verbindung mit der 1000er V-Strom ab dem Baujahr 2014 und dem Nachfolgemodell ab Baujahr 2017. Deshalb gibt Heidenau auch keine Reifenfreigabe für den K60 Scout auf der 1000er V-Strom. Bei Mitas scheint man das nicht so verantwortungsvoll zu sehen, denn auf meine Anfrage im Frühjahr 2017 per Mail hat man mir innerhalb weniger Tage eine Reifenfreigabe zugeschickt, obwohl die im Downloadbereich auf deren Homepage gar nicht zu finden ist. Ich kann deshalb kaum glauben, daß Mitas auf der V-Strom 1000 ABS (Modelljahre 2014 und 2017) tatsächlich Reifentests durchgeführt hat.

Auf Schotter und unbefestigten Wegen habe ich mit dem Mitas bisher etwa 50 km zurückgelegt. Da zieht er recht zuverlässig seine Spur und das Hinterrad neigt beim Gasgeben auch nicht übermäßig zum Ausbrechen. In tiefem Kies rutscht das Vorderrad aber immer wieder mal gerne zur Seite oder sucht sich seine eigene Spur – dieser Untergrund ist schon eher was für den Metzeler Karoo 3. Die Eigendämpfung des Mitas könnte auf grobem Schotter besser sein. Da würde ein Absenken des Reifendrucks den Fahrkomfort in diesem Geläuf aber sicherlich verbessern.

Mein Fazit

Abgesehen von den beschriebenen Negativpunkten ein guter alltagstauglicher Reifen für viele Untergründe und mit hoher Laufleistung – so lange man auf Geschwindigkeiten jenseits von 130 km/h verzichtet.

Im Apennin hat sich der Hinterreifen einen langen Nagel eingefangen, der zu meinem Bedauern durch die Karkasse gegangen ist. Trotz all der negativen Punkte habe ich einen neuen Hinterreifen bestellt. Wenn der aufgezogen wird, lasse ich auch gleich den Vorderreifen nachwuchten. Da wird sich dann zeigen, ob das sich das erwähnte Poltern ab etwa 150 km/h bessert.


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5 Reaktionen zu "Reifenwahl"

  1. Alpentier schreibt:

    Ein frohlockendes Servus aus Bayern.-)

    finde deinen Bericht über den A40 sehr gut.
    Ich hatte auf der DL1000ABS noch nicht die Möglichkeit mehrere Reifen auszuprobieren. Ich habe nur den unmittelbaren, direkten Vergleich mit der Serienbereifung. Kann deine Angaben alle voll bestätigen, ausser das der Reifen weich ist. Ich empfinde ihn von der Eigendämpfung schlechter als die original Reifen. Dein empfinden rührt wahrscheinlich daher, dass du nicht direkt vom original Reifen umgestiegen bist. Der Metzler und der Michelin sind vermutlich in dieser hinsicht härter als der A40, daher wird dein empfinden schon in Ordnung sein:-). Ansonsten mach bitte weiter so,
    teste doch bei Gelegenheit mal den neuen Dunlop,
    dieser wäre bestimmt auch eine gute alternative.
    Viele Grüße…..

    • Alpentier schreibt:

      Hallo nochmal,

      hab das mit dem Taumeln nun auch hinter mir.
      Beim starken abbremsen mit Sozia und Gepäck fängt das Hinterrad durch das ABS regelrecht zu stempel an und erzeugt an der Vorderhand sowas wie einen extremen shimmy effekt. Das ist sehr unangemehm und kann wie du es beschreibst bei einem weniger routinierten Fahrer zu einem Problem führen. Ausserdem habe ich feststellen müssen, das bei rissen im Asphalt die ich vorher problemlos in Schräglage überfahren konnte der Hinterreifen nun ohne Vorwarnung versetzt.
      Ist nie gefährlich aber troztdem unangenehm.
      Mein Fazit: Reifen so schnell wie möglich runternudeln und es mit einem anderen probieren.
      Viele Grüße,
      von Timmelsjoch

      • Reiner von on2r.eu schreibt:

        Kommentar:
        Servus Alpentier,

        eine hohe Beladung begünstigt das Taumeln des Bridgestone A40 sicherlich noch zusätzlich. Nach mittlerweile 4000 km auf den Pneus zeigt sich das Taumeln beim starken Anbremsen aber bei weitem nicht mehr so ausgeprägt wie zu Beginn.

        Das Versetzen des Hinterrads des Bridgestone A40 auf rissigem Asphalt kann ich bestätigen. Allerdings habe ich diese Erfahrungen nur bei wirklich sehr rissigem Belag, sehr viel Schräglage und sehr sportlicher Fahrweise gemacht. Wie Du habe ich das auch nie als gefährlich empfunden.

        Nicht unerhebliche Faktoren, die das Verhalten ganz extrem beeinflußen sind Beladung, Einstellung der Federung und Luftdruck in den Reifen.
        Ich fahre nur alleine, der originalen Einstellung der Federung und bisher bei jedem Reifenpaar mit 2,2 bar vorne und 2,5 bar hinten.

        Gruß, Reiner von on2r.eu

  2. Christian Thuller schreibt:

    Ich bedanke mich recht herzlich für die vielen guten Informationen. Mit ihren Tipps geht es gut gerüstet in die neue Saison. Grüße aus Österreich. Christian

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