Tourenscheibe

Publiziert am 26.10.2010

  an der Suzuki Bandit 1200S (Bj. 2004, WVA9, K4, Pop)

Original-Windschild: Winddruck auf Schultern und Helm


Original-Windschild
Zu Beginn meiner Motorradkarriere in 2005 mit der Suzuki Bandit 1200S war es erst nur lästig, mit der Zeit aber extrem störend und belastend: Der Winddruck, der durch das relativ kurze Original-Windschild auf Oberkörper und Helm wirkte und bei längeren Überland- oder Autobahnfahrten auch schon mal für Muskelverspannungen sorgte. Zudem war es hinter dem Windschild durch die Luftverwirbelungen in meinem Helm (Schuberth Concept) zwischen 70 und 100 km/h laut, darüber sogar extrem laut. Zudem wollte dieses Original-Teil in Klarglas-Optik so gar nicht zu dem sonst schwarzen Auftreten der Bandit passen.

Alternative 1: Tourenscheibe von MRA


MRA-Windschild
Abhilfe mußte also her, und so recherchierte ich nach technischen Lösungen im Zubehörhandel. Bei Louis.de wurde ich in Form einer MRA-Tourenscheibe mit ABE für 75,95 € fündig (Artikel-Nr. 60128032). Kurzerhand bestellt und gegen die Originalscheibe ausgetauscht, hielt sie durch ihre etwa 7 cm längere Form gegenüber des Original-Schildes den Winddruck erheblich besser ab. Bei Autobahnfahrten jenseits von 160 km/h konnte diese Scheibe dem Fahrtwind allerdings nicht mehr viel entgegensetzen und der Winddruck auf die obere Körperpartie war deutlich spürbar.
Positiver Nebeneffekt: Im Helm war es merklich leiser und das lästige Brummen der Verkleidung bei etwa 4000 Touren war nach dem Umbau vollständig verschwunden.

Einfacher Austausch

Das Ersetzen des Windschildes geht recht einfach und schnell. Hierbei habe ich mich beim ersten Mal anhand der Beschreibung von „Paladin“ und „LimaBravo“ von den 34’er-Bikern orientieren können, die die Demontage der kompletten Frontverkleidung beschrieben haben: 34er-biker.de/Bilder/verkleidung/verkleidung.php.
Hier also die Kurzbeschreibung der Demontage an meinem 2004´er Modell:

 1. 
Beide Spiegel abbauen: Die Gummimanschette nach oben umstülpen und mit einem geeigneten Inbus beide Befestigungsschrauben lösen. Hierzu den Spiegels nach vorne, bzw. hinten klappen, um besser an die Schrauben zu gelangen.
 2.
Schürze losschrauben: Mit einem geeigneten Kreuzschlitzdreher die beiden Schrauben herausdrehen, die aus Fahrersicht kurz unterhalb der Scheibe links und rechts der Tachoeinheit zu sehen sind. Ebenso die beiden von vorne zugänglichen Inbus-Schrauben.
 3.
Sichelförmige Schürze abziehen: Die oberen Enden der Schürze etwas anheben, damit sie über die Stümpfe der Spiegelhalterung springt. Die Schürze dann nach oben ziehen oder schieben, da sie zusätzlich noch mit zwei Hakenlaschen eingehängt ist. Hier vorsichtig zu Werke gehen, damit die Hakenlaschen nicht abbrechen.
Für den späteren Zusammenbau überprüfen, ob die Metallklemmen, in die die Kreuzschlitz- schrauben gedreht waren (Punkt 2), noch richtig sitzen.
 4.
Scheibe abnehmen: Die Scheibe nach Herausdrehen der beiden unteren Kreuzschlitzschrauben abnehmen. Über die Spiegelbefestigungsstümpfe muß sie mit etwas Druck gezogen werden.
 5.
Neue Scheibe einsetzen, sichelförmige Schürze und Spiegel anbauen, fertig.



1. Spiegel abbauen

2. Schürze losschrauben

4. Windschild abnehmen


nach dem Sturz: Spiegel weg
und Windschild gebrochen
Bis Ende Oktober 2007, etwa 1½ Jahre, hielt die Tourenscheibe, dann kam der Großglockner dazwischen. Ich war damals auf dem Heimweg von einem Kurzurlaub in den Dolomiten und fuhr bei strahlendem Sonnenschein und trockener Straße hinauf zum Großglockner. Kurz nach dem Hochtor war dann ein etwa 15 Meter langes Straßenstück mit Schneematsch vor mir. Ich testete erst zu Fuß und fuhr dann mit etwa Schrittgeschwindigkeit da hinein. Nach einigen Metern endete der matschige Zustand allerdings und ging für ein kurzes Stück in Eis über.
Ich staunte nicht schlecht, als das Motorrad auf der leicht abschüssigen Straße mit dem Hinterrad nach rechts wegdrifftete. Das Wegkippen auf die linke Seite versuchte ich noch zu verhindern, was aber leider mißlang. Verdutzt stand ich nach einer nicht enden wollenden Rutschpartie auf dem gefrorenen Untergrund auf und betrachtete den zum Glück nur leichten Schaden am Motorrad: Der linke Spiegel war am Gelenk abgerissen und steckte irgendwo in der Schneewehe am Straßenrand, der Kupplungshebel war an der Sollbruchstelle abgebrochen und das Windschild gesplittert. Die Seitenverkleidung hatte nur leichte Kratzer und Sturzpad und Seitenkoffer schützten vor weiterem Ungemach.
Den größeren Schaden hatte leider ich selbst davongetragen: Wie später zu Hause festgestellt wurde, war bei dem Sturz mit ausgestrecktem linken Arm auf die linke Körperseite ein Muskel in der Schulter, der Tuberculum majus, abgerissen.

Alternative 2: Vario-Touringscreen von MRA


verstellbarer Spoiler
So mußte wieder ein Windschild her. Von einem mit verstellbarem Spoiler hatte ich gelesen, „Vario-Touringscreen“ nannte sich das Windschild. MRA war der Hersteller. Diese Vario-Scheibe war damals noch so neu, daß sie nur direkt bei MRA in deren Shop für knapp 120 € zu bekommen war: mrashop.de/…Art.Nr. 4025066080526.
Dort werden auch PDF-Dokumente wie ABE, Abnahmebestätigung, Materialgutachten und Teilegutachten zum kostenlosen Download angeboten.
Was soll ich sagen? Ein klasse Teil! Kein Vergleich zum Original-Windschild und besser als oben beschriebene Tourenscheibe.
Diese Vario-Scheibe hat am Ende des Windabweisers einen Spoiler, der sich in mehreren Positionen verstellen lässt. Durch die Hinterströmung des Spoilers werden zudem Turbulenzen reduziert. Winddruck an den Schultern merke ich so gut wie überhaupt nicht mehr, nur am Helm ist er bei hohen Geschwindigkeiten etwas zu spüren. So habe ich schon Autobahnfahrten von 200 km/h und darüber aufrecht sitzend hinter mich gebracht, ohne daß der Fahrtwind übermäßig an mir gezerrt hat. Zudem macht es richtig Spaß, bei hohem Tempo an einem Bikerkollegen aus der „liegenden Fraktion“ in aufrechter Position vorbei zu gleiten, die bereits ab 120 km/h – oder noch früher – in geduckter Haltung über ihrem Tank kauern. Zur meiner weiteren Erbauung sind leider deren verdutzte Gesichter nicht zu erkennen.

Geräuschkulisse und Helmvibrationen

Die Windgeräusche im Helm (Schuberth Concept und Schuberth C3) sind beim Vario-Touringscreen bis etwa 120 km/h gegenüber oben beschriebener Tourenscheibe noch einmal etwas reduziert. Ab 140 km/h beginnt es dann aber leider laut zu werden in den ansonsten leisen Schubert-Helmen, da sich wohl die Luftwirbel mit zunehmender Geschwindigkeit zum Fahrer hin ausdehnen. Bei einem Tempo ab etwa 160 km/h sind die Windgeräusche bei längerer Autobahnfahrt deshalb nur kurze Zeit zu ertragen und Ohrstöpsel empfehlenswert.
Bei Geschwindigkeiten über 200 km/h stellt sich zudem ein leichtes aber schnelles Vibrieren des Helms ein, das auch als Mikroschwingung bezeichnet wird. Dieser Effekt überträgt sich auf den Kopf und führt zu leichtem Unscharfsehen. Eine etwas geduckte Körperhaltung sorgt zwar für Abhilfe, allerdings führt dieser Geschwindigkeitsbereich auf Dauer zu Streß und fördert den Fahrspaß in keinster Weise.

Noch ein Unfall, gleiches Windschild…

Etwas mehr als 1½ Jahre verrichtete das Vario-Windschild seinen überzeugenden Dienst, bis es dann Mitte Juni 2009 neben vielen anderen Teilen meines Motorrades in Italien zu Schaden kam. Dort wollte ich vom Nationalpark Gran Sasso nach L’Aquila hineinfahren. Bei zähflüssigem Verkehr fuhr ich mit etwa 40 km/h auf das Auto vor mir auf. Der Fahrer hielt an, während ich einen Blick in meinen Rückspiegel riskierte. Ausführliches dazu hier: Unfall in Italien
Neben anderen Teilen mußte auch ein neues Windschild her und so fiel meine Wahl wieder auf das bewährte Vario-Windschild von MRA. Louis hatte sie da für knapp 120 € im Shop gelistet: Artikel-Nr. 10006967.


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3 Reaktionen zu "Tourenscheibe"

  1. Ralf schreibt:

    Ich weiß noch, wie ich meinen ersten Motorradunfall hatte, zum Glück aber nichts ernstes und hier in Deutschland. Fällt mir nur gerade ein wegen dem Erlebnis mit dem Unfall in Italien:
    ich bin einen Hügel hinabgefahren, am Tiefpunkt gab es eine Kurve nach Links und wieder den Hügel nach oben. Ich habe, halb von einem Baum verdeckt, auf der anderen Seite ein Auto gesehen – er mich aber wohl nicht. Relativ hin zur Kurve musste ich dann dem Auto ausweichen, da er mich wirklich nicht gesehen hat. Graben. Ich denke, es ist dem Wetter und meiner damaligen Unerfahrenheit (vor 10 Jahren) geschuldet.
    Ist gut ausgegangen, aber nie angenehm. Von daher möchte ich erst recht keinen Unfall im Ausland. Mein Mitgefühl.

    • Reiner von on2r.eu schreibt:

      Kommentar:
      Hallo Ralf,

      auf eine solche Erfahrung könnte man tatsächlich leicht verzichten, vor allem im Ausland.
      So lange ein derart unfreuliches Ereignis aber lediglich mit ein paar kleineren Blessuren ausgeht, sehe ich das eher gelassen. Eine lehrreiche Erfahrung ist es in jedem Fall. Zu meiner absoluten Überraschung war ich nach dem Unfall in Italien wie beschrieben (Unfall in Italien) in wirklich sehr guten Händen. Neben der Höhe des Schadens wurmte mich vor allem, daß der Urlaub nach kurzer Zeit abrupt vorbei war und ich auf die Ankunft meines Motorrads ein paar Wochen warten mußte.

      Mein Neffe hatte mit seiner 125er innerhalb von nur drei Monaten weniger Glück.
      Vierzehn Tage nach seinem 16. Geburtstag wurde er an einer roten Ampel übersehen. Nach dem er schon eine Weile dastand und auf das grüne Licht wartete, hat ihn das später nachfolgende Fahrzeug auf die Hörner genommen. Er und sein Möp sind im Bogen ins Bankett gesegelt. Er hatte starke Prellungen, eine Gehirnerschütterung und ein Schleudertrauma davongetragen. Das nagelneue Bike mit nicht mal 1000 km auf der Uhr hatte einen wirtschaftlichen Totalschaden. Obwohl der Unfallhergang inkl. Alleinschuld der Kfz-Lenkerin klar war, zögert deren Versicherung in unverschämter Weise Teile der Zahlungen bis heute durch fadenscheinigste Gründe hinaus.
      Drei Monate später, wieder mit einem neuen Bike, wurde er schon wieder übersehen! Die Umstände waren ähnlich. Zumindest konnte er sich und das Bike diesmal vor einem Sturz bewahren. Er hatte danach starke Kopfschmerzen. Das neue Bike wurde in einer Fachwerkstatt auf etwaige Schäden überprüft. Lediglich der Hinterreifen hatte einen Schaden und mußte getauscht werden. Der Verursacherin gehörte das Kfz nicht. Bin mal gespannt wie lange es diesmal dauern wird bis die Kosten ersetzt sind.

      Der arme Junge! Da bleiben einem – sehr milde ausgedrückt – die Worte weg.

      Auf einen unfallfreien Abschluß dieser und einen erfolgreichen Start in die nächste Motorradsaison, Reiner

  2. Martin Haneke schreibt:

    Hallo Reiner,

    entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten: Herzlichen Dank für den Erfahrungsbericht, der mir auch 6 Jahre nachdem Du ihn verfasst hast, bei der Entscheidung hilft.

    Danke
    Martin

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