Tachoscheiben tauschen

Publiziert am 26.10.2010

  an der Suzuki Bandit 1200S (Bj. 2004, WVA9, K4, Pop)

Selbst gestaltete Tachoscheiben


mein gepimpter Tachobecher
Im Winter 2005 bin ich unter anderem im Banditforum häufiger auf die Anregung gestoßen, die originalen Tachoscheiben durch Eigenentwürfe zu ersetzen. Mit dieser Idee konnte ich mich durchaus anfreunden.
Da die Tachoeinheit zur Umlackierung sowieso schon ausgebaut und zerlegt war, wollte ich mich hierzu auch gleich künstlerisch betätigen.
Zum Erstellen eigener Tachoscheiben zog ich das Vektor-Grafikprogramm CorelDraw in der Version 9 heran, da ich mit diesem Programm bereits diverse Erfahrungen gesammelt hatte.

Tachoscheiben ausbauen und als Vorlage digitalisieren

Wie die Tachoeinheit ausgebaut und zerlegt wird, habe ich bereits unter „Tachogehäuse lackieren“ beschrieben. Man sollte sich aber bewußt sein, daß zuvor die Demontage der Frontverkleidung notwendig ist, um an eine sonst nicht zugängliche Befestigungsschraube des Tachogehäuses heranzukommen!
Ein Griff in den Besteckkasten: Mit den Zinken einer Gabel bin ich zwischen Tachonadel und Tachoscheibe gefahren. Damit konnte ich die Nadeln langsam und vorsichtig abheben. Um Kratzer auf den Tachoscheiben zu verhindern, hatte ich ein weiches Tuch zwischen Gabel und Tachoscheibe gelegt. Jetzt brauchte ich nur noch die zwei Schrauben je Tachoscheibe ausdrehen und die Tachoscheiben abheben.
Um mir umfangreiche Meßarbeiten zu ersparen, habe ich die Scheiben mit dem Scanner in den PC eingelesen. So war es nicht schwer sie zu vektorisieren, um Schablonen für die Eigenentwürfe herzustellen. Damit läßt es sich ungeniert mit verschiedenen Schriftarten, Farben und Hintergründen testen. Dabei ist lediglich auf ausreichende Kontrastunterschiede zu achten, damit sich die Objekte abgrenzen und nicht ineinander verschwimmen. Der Ausdruck erfolgte mit meinem Tintenstrahler Canon-Drucker Pixma IP4000 auf Glossy Photo Papier Plus von Canon (20 Blatt, 10x15cm, 270g/m2, 5,99 €).

Versuch gescheitert: Durchleuchtungssproblem

Nach dem Zuschneiden einer meiner neuen Tachoscheiben und provisorischem Zusammenbau des Gehäuses folgte ein Test, bei dem sich einstellte, was ich schon vermutete: Das Glossy-Papier wird wegen seiner Dicke von den LED’s nur punktuell durchleuchtet, so sind die Aufdrucke im Dunkeln nur zu erahnen.
Zur Hinterleuchtung der Original-Scheiben sind sind auf der Platine jeweils drei SMD-LED’s für Geschwindigkeit und Drehzahl verbaut. Für jeweils zwei weitere SMD-LED’s sind Kontakte vorhanden. Eine entsprechende Bestückung würde aber keine nennenswerte Lichtverstärkung bedeuten.

Problemlösung: Vollflächige Hintergrundbeleuchtung

Da ich das so nicht hinnehmen konnte und die Arbeit nicht umsonst gewesen sein sollte, habe ich einen Tipp aus dem Banditforum aufgegriffen: Elektrolumineszente Leuchtfolie, auch Plasmafolie genannt. Diese Leuchtfolie kann mit einem scharfen Werkzeug auf das gewünschte Maß zugeschnitten werden und sollte für mein Vorhaben das otimale Leuchtmedium sein.

Nach kurzer Recherche habe ich im Web bei Leuchtfolie.net das Entsprechende gefunden und bestellt:
EL-Leuchtfolie (Format 19,3 x 14,4 cm, 23,52 €) und einen Inverter (Eingang 12-14V DC, Ausgang 90–140 V AC) zur Stromversorgung (für Folien bis bis 140 cm2 Fläche, 8,70 €).
Das eben angegebene Flächenmaß wird in dieser Größe angeboten und ist etwas größer als erforderlich, um zwei Flächen in der Größe der Tachoscheiben zu erhalten.
Inverter sind ausgelegt für unterschiedliche Größen von Leuchtfolien. Dieser ist notwendig für meine Zwecke, denn bei 51,5 cm2 Fläche für eine Tachoscheibe (8,1 cm Durchmesser) ergibt sich eine Gesamtfläche von 103,0 cm2.
Auf Nachfrage beim Händler bekam ich die Info, daß die Folie zur Umgebung bei richtig ausgelegtem Inverter etwa 3 bis 5 Grad wärmer ist.

Später bin ich dann noch bei Wunschtacho.de fündig geworden, dort wären die Sachen sogar günstiger gewesen.

Kaum war das Päckchen angekommen, erfolgte auch gleich ein erster Test. Alles fliegend verdrahtet und an ein Netzteil angeschlossen, war der Unterschied zur punktuellen Durchleuchtung mit den Gehäuse-LED’s frappierend: Meine Tachoscheiben wurden in einem hellen blauton gleichmäßig durchleuchtet und alles war deutlich zu sehen.


paßgenau zugeschnitten
ein = leuchtend-blau
Als nächstes hatte ich die originalen Tachoscheiben auf die Leuchtfolie gelegt, die Umrisse mit Faserschreiber angezeichnet und mit einem scharfen Teppichmesser ausgeschnitten. Der runde Ausschnitt für die Tachonadel und der Rechteckige für die Digitalanzeige entstanden mit einem kleinen Skalpell.
Beim „Probeliegen“ der ausgeschnittenen Flächen in der Tachoscheiben-Aufnahme stellte sich heraus, daß sie etwas zu groß geraten waren und ich etwa einen Millimeter vom gesamten Umfang abschneiden mußte, damit sie Plan und ohne Wölbung in der Aufnahme liegen konnten.

Beim Schneiden einer Leuchtfolie muß unbedingt scharfes Gerät benutzt werden, da beim Schneiden so wenig Druck wie möglich auf die Folie ausgeübt werden darf. Eine Schere ist deshalb absolut ungeeignet. Wird das nicht beachtet, besteht die Möglichkeit, daß die Folie gequetscht wird. Eine Quetschung führt dazu, daß sich die sog. Front- und Rückelektrode berühren und dadurch ein Kurzschluß entsteht. Die Folie wird dadurch unbrauchbar.Laut Hersteller ist die Leuchtfolie auf Ihrer ganzen Rückseite leitfähig. Zudem sind die beim Ausschneiden zwangsläufig entstehenden offenen Kanten der Folie ebenfalls leitfähig und dürfen wegen der Möglichkeit eines Kurzschlußes ebenfalls keinen Kontakt miteinander haben.
Lebensgefahr! Die Spannungen an den Folien betragen zwischen ca. 90 – 140 Volt.
Der Hersteller rät dazu, die Folie mit Heiß- oder Kaltlaminat zu verschließen, was zudem vor eindringender Feuchtigkeit schützen würde. Da hierbei aber wieder das Problem entsteht, daß meine Folien nicht in Tachoscheiben-Aufnahme passen, habe ich das sein lassen. Die Isolierung der offenen Kanten wird durch die Tachoscheiben-Aufnahme gewährleistet.

Stromversorgung

Ein Platz für den Inverter war auch gefunden: Mit doppelseitigem Klebeband direkt hinter dem Tachogehäuse und dadurch geschützt unter den „Bechern“. Die Kabel von den beiden Folien zum Inverter habe ich durch ein vorhandenes Loch in der Rückwand des Tachogehäuses geführt. Die Stromversorgung des Inverters wird über ein Relais geschaltet und erfolgt direkt von der Batterie über eine eingeschleifte Sicherung. Genau wie bei den Heizgriffen wird das Relais über das Abblendlicht geschaltet, dessen Stromzuführung ich dazu angezapft habe. Das Relais ist am Hilfsrahmen der Verkleidung mit Kabelbindern befestigt. Dort sind auch die Relais für die Heizgriffe, sowie Abblend-, Fern- und Nebellicht untergebracht.

Mein Fazit

Seit dem Frühjahr 2006 habe ich meine eigenen Tachoscheiben mit dieser Leuchtfolie an der 1200’er in Betrieb. Die Folie hat in den fast fünf Jahren seit dem Einbau nichts von ihrer Leuchtkraft eingebüßt. Die Tachoscheiben werden nach wie vor gleichmäßig durchleuchtet, so daß ich das Eindringen von Feuchtigkeit in die nicht laminierte Folie ausschließen kann, obwohl ich bereits einige Male in wolkenbruchartigem Regen unterwegs war.
Der Inverter pfeift im Betrieb permanent, zwar leise, aber unüberhörbar. Das war zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, stört mich aber nicht weiter. Zudem ist es nicht mehr zu hören, sobald der Motor läuft.


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