Kettenpflege

Publiziert im Oktober 2010

  an der Suzuki Bandit 1200S (Bj. 2004, WVA9, K4, Pop)

Automatische Kettenschmierung oder Kettenspray?

Im Frühjahr 2006 wollte ich mir und meinem Motorrad etwas gutes tun und uns einen automatischen Kettenöler zulegen, damit die Kette einen permanent gleichmäßigen und feinen Ölfilm erhält und dadurch ihre Lebenszeit verlängert wird. Ein solches Utensil würde letztlich auch meine Kasse schonen, kann ich doch zukünftig auf die relativ teuren Kettensprays verzichten. Leider war das aber ein absoluter Reinfall.

Kettenschmiersystem CLS 200µ

Der CLS 200µ von Chain Lube Systems sollte es nach einiger Recherche sein. Diesen Kettenöler hatte ich dann auch für knapp 200 € bei eBay erstanden. Dort wurden diese Öler in nagelneuem Zustand erheblich günstiger angeboten, als das der Hersteller in seinem Shop tat: onlineshop.cls200.de/product_info.php?info=p7_CLS-200-.html

Einfache Montage

Die Montage zeigte sich relativ einfach. Der Vorratstank in Form einer kleinen Kunststofflasche und das kleine Elektronikkästchen mit der integrierten Dosiereinheit fanden ihren Platz unter der Sitzbank. Dem Paket lagen ausreichend Befestigungsmaterialien bei. Den Schlauch verlegte ich mit den Schlauchverlegestücken entlang des Rahmens und der Schwinge bis zum Kettenrad und befestigte ihn dort mit den Kabelbindern. Das mitgelieferte Endstück schob ich in das Ende des zurechtgekürzten Schlauchs und bog es so hin, daß es fast am Kettenrad anlag.
Hier gibt’s Bilder vom Einbau an einer Honda VFR 800: didrichsons.de/…cls200.html

Dosiermenge

Die Besonderheiten dieses Ölers liegen darin, daß er die Ölmenge elektronisch und temperaturgesteuert dosiert und das auch nur bei laufendem Motor tut. Das mitgelieferte Hochleistungs-Ketten-Haftöl ist laut Herstellerangabe toxikologisch unbedenklich. Ein Liter soll für etwa 80.000 km ausreichen.
Eine temperaturgeregelte Mengendosierung macht durchaus Sinn wie ich finde, denn die Viskosität eines Stoffes ändert sich mit der Temperatur. Das heißt: Bei Wärme ist ein Öl leichtflüssig, bei Kälte zähflüssig – alles relativ gesehen, versteht sich.

Feinjustierung der Ölmenge

Den Drehschalter, der mit ausreichender Kabellänge zu dem Elektronikkästchen führte und am Lenker montiert werden konnte, hatte ich ebenfalls unter der Sitzbank verstaut. Mit ihm sollte die Dosierung der Ölmenge grob eingestellt werden. Leider hatte ich die Dosiermenge trotz unzähliger Versuche nicht in den Griff bekommen und so gelangte meist mehr Öl auf die Kette als nötig war. Nun ja, dachte ich etwas resigniert, lieber etwas zu viel als zu wenig. Entsprechend versifft sahen deshalb vor allem Felge und Schwinge aus.

Alltagstauglich? Kann ich nicht bestätigen!

So trat ich mit dem guten Gefühl einer ausreichend versorgten Kette bald darauf eine 14-tägige Motorradtour an, die mich etwa 5000 km durch Österreich, Liechtenstein, Schweiz, Frankreich, Italien und Slowenien geführt hat.
Leider war das gute Gefühl nach einer Woche schlagartig weg, als eines Vormittags nämlich mit einem Mal ein unüberhörbares und anhaltendes Klackern einsetzte, das vom hinteren Teil des Motorrades kam. Zuerst dachte ich an eine schlagende Kette. Da das Geräusch aber gleichbleibend war, kamen mir fest gewordene Kettenglieder in den Sinn. Doch wie sollte das sein, habe ich doch einen als zuverlässig angepriesenen Kettenöler verbaut!
Und tatsächlich: Bei einem Kontrollstop mußte ich zu meinem Ärgernis eine trockene Kette und zwei unbewegliche Kettenglieder feststellen, die für das Klackern gesorgt hatten.
Wie war das möglich, war der Öl-Vorratsbehälter doch noch halb voll und die Elektronik mit Strom versorgt? Zudem hatte ich zuletzt zwei Tage zuvor die Funktion des Ölers geprüft und keinen Mangel festgestellt. Allerdings war ich die letzten Tage oft auf relativ staubigem Untergrund unterwegs. Bei näherem Augenschein stellte ich dann auch fest, daß sich Schmutz in dem Schlauchendstück am Kettenrad festsetzte, der die Öffnung mit der Zeit verstopfte. Dadurch versiegte der Ölfluß und führte zu dem Problem. Böse Worte hatte ich bei dieser Entdeckung ausgerufen.
Auf den Öler vertrauend, hatte ich natürlich kein Kettenspray dabei und mußte erstmal eines besorgen. Etwa 16 € hat mir der Franzmann in seinem Bikerladen für eine 500 mL-Dose abgeknöpft. Zum Glück wurden die beiden Kettenglieder auf dem weiteren Weg wieder einigermaßen beweglich und ich konnte meine Tour relativ beruhigt zu Ende bringen.

Back to the Roots: Kettenspray

Später, nach drei Wochen Standzeit, hatte dann auch noch die Elektronik des Kettenölers die Motorradbatterie soweit entleert, daß der Saft nur mehr für ein paar Umdrehungen des Anlassers ausreichte. Zugegeben, ich hätte dessen Energieversorgung kappen können. Allerdings sollte ein kleines Stück moderne Elektronik mit erheblich weniger Strom auskommen. Jetzt war mir der Kragen endgültig geplatzt. Um mit ihm nicht noch mehr schlechte Erfahrungen sammeln zu müssen, kündigte dem automatischen Schmiermaxen augenblicklich. Der Ausbau ging flotter als der Einbau und so fristet er sein Dasein seither gut verpackt im hintersten Eck der Garage.

Gutes und günstiges Kettenspray: Wekem WS167


Wekem WS167
Dieses Kettenspray hatte ich günstig bei eBay gefunden, wo bei Abnahme eines Kartons mit 12 Dosen eine 400 mL-Dose auf nur 4,32 € kam. Meine ursprüngliche Bezugsquelle Tool Technic Germany GmbH ist dort als Händler nicht mehr gelistet.
Ein aufmerksamer Leser machte mich darauf aufmerksam und teilte mir auch gleich einen anderen eBay-Händler mit: craft-equip2
Mein Dank dafür geht an Karl Graf aus Österreich.

WS167: Wenig Kettenverschleiß, geringe Verschmutzung

Ich muß erwähnen, daß ich mich hauptsächlich in den Alpen herumtreibe und dort auf den häufig gut ausgebauten Berg- und Paßstraßen meist gut am Gas hänge. Zudem bin ich wahrlich kein Konstantfahrer. Deshalb muß mein Bike entsprechende Bremsarbeit leisten, was zu erheblichen Lastwechseln führt. Das sind Faktoren, die den Kettenverschleiß vorantreiben. Trotzdem konnte ich über ein halbes Jahr auf 10000 km keinen nennenswerten Verschleiß an dem bis dahin etwa 5000 km gelaufenen DID-Kettensatz von Louis feststellen. Außerdem bleiben Kette, Felge und Schwinge bei gleicher Anwendung gegenüber den bis dahin benutzten teuren Sprays aus dem Fachhandel überraschender Weise auch noch vergleichsweise sauber.

Bezugsquellen

  1. Bei eBay: craft-equip2
  2. Eine Suche im Internet hatte noch weitere Anbieter aufgelistet. Allesamt hatten aber einen höheren Preis verlangt (bis zu 50%) als obiger eBay-Händler.

Weiterführende Info

  1. Herstellerseite: Ketten- und Seil-Spray Wekem WS167.

Nachtrag vom Dezember 2013

Ich bin nach wie vor sehr zufrieden

Im Mai 2011 als Tageszulassung gekauft, ging meine 1250er Bandit im Dezember 2013 als Inzahlungnahme für eine 2014er V-Strom zurück zum Händler. In diesem Zeitraum habe auf überwiegend hochgebirgigem Streckenverlauf beinahe 38000 km runtergespult und blieb dabei diesem Kettenspray treu. Bei der Rückgabe des Bikes waren nur eine sehr geringe Kettenlängung und vernachlässigbare Abnutzungsspuren an den Kettenrädern feststellbar. Allerdings hatte ich immer auf ausreichende Schmierung geachtet. Ich kann dieses Kettenspray deshalb guten Gewissens weiterhin empfehlen.

Feststoffschmierung – eine Alternative?

Ebenfalls im Mai 2010 wurde ich auf CarbonForBikes aufmerksam. Die gehören augenscheinlich zur Schunk-Gruppe und bieten eine patentierte Feststoffschmierung für „Motorrad-Ästheten“ an, wie sie auf ihrer Internetseite selbst schreiben. Weiter heißt es dort:

„Die Feststoffkettenschmierung besteht aus einem kompakten Werkstoff auf Graphitbasis, dem weitere funktionelle Bestandteile beigemischt sind. … Die Schmierung basiert auf einem Abrieb des Schmierstoffs durch die Bewegung der Kette. … auf Grund seines guten Kriechvermögens … entsteht ein dünner und permanenter Schmierfilm im gesamten System. Sogar bei Regenfahrten ist die Kette geschmiert.“

Auf deren Internetseite ist ein Video zum Kettenpeitschen beim Prüfstandtest online. Das wirft die Frage auf, ob und wie sich das auf den Schmierstoffblock auswirkt (verstärkter Abtrag, Abplatzungen, etc.). Auf meine Anfrage dazu im November 2010 und nochmal im Oktober 2011 habe ich aber leider keinerlei Antwort oder Reaktion erhalten.
Nicht billig: Die „Grundausstattung“ kostet 149,99 EUR. Der Feststoffschmiereinsatz soll nach Herstellerangaben aber nur ca. 6000 km halten und schlägt dann mit 34,99 EUR ins Kontor.
Wenige Erfahrungsberichte: Infos von Nutzern dieses Produkts sind mehr als spärlich, was wohl ein Zeichen für wenig Interesse und Verbreitung ist. Zumindest ein Mitglied des Banditforums schreibt positiv über den Alltagseinsatz: Feststoffschmierung der Kette


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