Strom per Cinch

Publiziert am 26.10.2010

  an der Suzuki Bandit 1200S (Bj. 2004, WVA9, K4, Pop)

Individueller Stromanschluß für Verbraucher


Cinch- statt Normstecker
Während einer Alpentour in 2007 war ich mit einer Videokamera unterwegs. Die Kamera hatte lediglich Fingergröße (sog. Mini-, Finger- oder Stiftkamera), die Aufnahme erfolgte per Kabelübertragung auf eine normale Videokamera mit Digitalband im Heckkoffer.

Normstecker-Problem 1: Platzverschwendung

Nun war das Problem, daß es für die 12V-Norm-Stecker der mitgeführten Gerätschaften unter der Sitzbank recht eng wurde. Da waren nämlich schon die Tasche mit dem Bordwerkzeug und der Kettenöler samt Ölvorrat. Und ein Navigationsgerät wollte ebenfalls mit Strom versorgt werden. So waren da gleich drei große und klobige 12V-Normstecker und ein Normsteck-Verteiler, die sich unter der Sitzbank den nur noch wenigen Platz teilen mußten.

Normstecker-Problem 2: unzuverlässige Kontaktsicherheit

Die 12V-Normstecker sind nicht arretierbar und bieten deshalb keine zuverlässige Kontaktsicherheit, denn es reichen mitunter schon kleine Erschütterungen bei z.B. schlechter Straße, wo sich der Stecker aus der Buchse rütteln kann und schon ist die Stromzufuhr unterbrochen.
Vorübergehend hatte ich deshalb während der Tour die Steckverbinder mit ausreichend Klebeband umwickelt und zusätzlich mit Kabelbindern fixiert. Trotzdem fuhr im Hinterkopf stets der Gedanke an diese unzuverlässige Seckverbindung mit.

Lösung für beide Probleme: einfach und simpel

Abhilfe mußte also her. Noch während der Tour kam die Idee Cinch-Verbindungen anstelle der Normverbinder zu verwenden.
Damit sind gleich beide Probleme gelöst, denn zum Einen sind sie im Vergleich zu den Normverbindern geradezu winzig und deshalb relativ unempfindlich gegen Erschütterungen.
Zusätzlich kann am Stecker der Kontaktring mit etwas Gefühl ein wenig zusammengepreßt werden, was beim Zusammenschieben von Stecker und Buchse für einen strammen Sitz sorgt.

Eigentlich wären die sogenannten Mini Mate-Steckverbindungen (Artikel-Nr. MUM 2SG bei Reichelt.de) mit ebenfalls kleiner Baugröße die optimalere Lösung, verriegeln die doch sogar ineinander. Da ich aber einen Anschluß für meine 12 Volt-Kühltasche fest in die hintere Verkleidung meines Motorrades integrieren möchte und alles einheitlich werden soll, kommt nur Cinch in Frage. Eine Cinch-Verbindung kann zwar nicht mit einer Verriegelung aufwarten, dafür gibt es aber bei beengten Platzverhältnissen keine Fummelei beim Stecken oder Lösen der Verbindung.

Kleine Cinch-Kunde

Cinch-Stecker werden auch RCA-Stecker genannt und sind aus dem heimischen Home-Entertainment-Bereich bekannt. Dort sind sie bei der Signalübertragung von Bild und Ton per Koaxialkabel eingesetzt. Auf dem mittleren Kontaktstift liegt das Signal und der äußere Kontaktring dient als Schirmung.
Weiterführendes: itwissen.info/…Cinch-Stecker-cinch-connector.html

Fürs Motorrad angepaßt

Ich orientiere mich an der offiziellen Kontaktbelegung (Kontaktstift=Signal und Kontaktring=Schirmung) und lege auf den Kontaktstift +12 Volt und auf den Kontaktring die Masse. Bei dieser Belegung muß ich mir auch keine Sorgen um einen Kurzschluß machen, falls der unisolierte Kontaktring mal ein Metallteil am Motorrad berühren sollte.

Cinch-Verteiler im Eigenbau


Verteiler zur Versorgung vieler Verbraucher
Sollten mal mehrere Verbraucher mit Strom versorgt werden müssen, habe ich dafür einen Verteiler gebastelt.
Dazu habe ich Kabel mit 5 mm² Querschnitt und eine handvoll Cinch-Buchsen besorgt, die für eine Printmontage konzipiert sind, und in Parallelschaltung auf ein Stück Lochrasterplatine gelötet. Damit das Konstrukt eine Isolierung bekommt, habe ich von einer Kunststoffverpackung die Seitenteile ausgeschnitten und mit Heißkleber an meinen Verteiler befestigt. Danach habe ich die Leerräume mit Heißkleber regelrecht ausgegossen. In die Plusleitung habe ich zur Sicherheit gegen Kurzschluß und Kabelbrand noch einen Sicherungshalter eingeschleift und die Kabel dann mit Kabelschuhen an den Batteriepolen befestigt.

Cinch-Adapter


Adapter von Cinch- auf Normanschluß
Nun kann ich ja nicht von allen Gerätschaften einfach den Normstecker vom Kabel abschneiden und statt dessen einen Cinch-Stecker dranlöten, denn in die Normstecker einiger Geräte ist mitunter einiges an Elektronik eingebaut.
Für diese Fälle habe ich ein paar Adapterkabel von Cinch- auf Normanschluß mit Kabel von ausreichend dimensionierten 5 mm² Querschnitt gefertigt. Von denen fährt immer einer unter der Sitzbank mit und bei größeren Touren finden noch ein Paar im Seiten-Werkzeugkoffer Platz.

Cinch-Anschluß in der hinteren Motorradverkleidung


versteckter Cinch-Anschluß im Heck-Seitenteil
Um meine 12 Volt-Kühltasche vom Bordnetz zu trennen, mußte ich jedesmal die Verzurrung lösen und die Kühltasche von der Sitzbank abnehmen, um diese zu entfernen und an die darunterliegenden Stecker zu gelangen.
So habe ich einen fest in die hintere Verkleidung meines Motorrades integrierten, „unsichtbaren“ Cinch-Anschluß gebastelt. Als „Gehäuse“ dient der Kunststoff-Schraubverschluß einer PET-Flasche. Mittig habe ich in den ein Loch im Durchmesser einer Cinch-Buchse gebohrt und diese dann in dem Loch mit Heißkleber befestigt.

versteckter Cinch-Anschluß im Heck-Seitenteil
Am Motorrad habe ich mir als Einbauort die Unterseite der hinteren Seitenverkleidung ausgesucht (Bild oben). Dort ist es weitgehend spritzwassergeschützt und in der Nähe des Soziussitzes, wo bei Mehrtagestouren die Kühltasche ihren Platz findet. Zudem ist diese Position nur in gebückter Körperhaltung zu sehen, für Neugierige also so gut wie „unsichtbar“.
An dieser Stelle habe ich ein Loch gebohrt, das etwas kleiner als der Innendurchmesser des Kunststoff-Schraubverschlußes ist. Um den Abbau der Verkleidung zu sparen, habe ich bei den etwas beengten Verhältnissen mit der einen Hand dieses „Steckergehäuse“ von oben her mittig auf mein neues Verkleidungsloch gehalten und mit der anderen Hand verschwenderisch Heißkleber drumherum laufen lassen (Bild unten).
Das Kabel ist wieder im Querschnitt 5 mm² und hat einen eigenen Sicherungshalter (Bild unten). Damit ich mal die Verkleidung abbauen kann und dabei kein Kabel im Weg ist, habe ich das Kabelende mit einem Cinch-Stecker versehen und an meinem Cinch-Verteiler angesteckt.
Seither kann ich bei Bedarf meine Kühltasche ohne jeglichen Aufwand ans Bordnetz anschließen oder von diesem trennen.

Motorradbatterie laden


Motorradbatterie laden
Der nette Nebeneffekt, den mein Stromanschluß in der Seitenverkleidung hat: Ich kann die Motorradbatterie laden, ohne die Pole der Batterie freizulegen. Dazu habe ich meinem Ladegerät einen entsprechenden Cinch-Stecker verpaßt.
Im Bild rechts ist das Kabel vom Ladegerät zu sehen, das an dem an der Unterseite der hinteren Seitenverkleidung integrierten Cinch-Anschluß eingestöpselt ist.


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2 Reaktionen zu "Strom per Cinch"

  1. Heiko Rehbok schreibt:

    Hallo Reiner,
    würdest du mir bitte sagen wie du die Kabel von deinem Ladegerät zum cinch Anschluss gebaut hast!

    Wenn es geht dann schick bitte ein Bild mit.

    Danke dir im Voraus.

    • Reiner von on2r.eu schreibt:

      Kommentar:
      Hallo Heiko,

      Foto habe ich zur Zeit keines zur Hand, aber die Konfektion des Kabels ist keine große Sache.
      Ich habe das Batterielade- und Diagnosegerät „Saito ProCharger“ im Gebrauch. Dem lagen für die Ausgangsseite zwei Kabelsätze bei, einer mit kleinen Batteiepolklemmen und einer mit Ringkabelschuhen.
      Die Ringkabelschuhe des einen Kabelsatzes hatte ich abgeknipst und die Kabelenden an einen Cinch-Stecker gelötet.
      Wie im Artikel erwähnt: Den unisolierten Kontaktring des Cinch-Steckers für die Masse verwenden, um beim Ein-/Ausstecken keine Kurzschlüsse zu produzieren!

      Gruß, Reiner von on2r.eu

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