OnTour

Publiziert am 24.10.2010

Fernreisen mit dem Motorrad

Mein Verlangen nach der „Flucht aus dem Alltag“ mit dem Motorrad in entfernte Gegenden und das Fernweh kann der geneigte Leser vielleicht aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Leidensgenossen bedaure dich deshalb nicht. Ganz im Gegenteil: Diesem Drang sollte man nach Möglichkeit nachgehen und sich von niemandem ausreden lassen!

Da ich noch nicht abschätzen kann, wann ich meine Reiseberichte und die zugehörigen Fotos hier endlich online stellen kann, möchte ich zumindest eine Auswahl meiner größten Touren hier in einer kurzen Zusammenfassung vorstellen, denn während meiner Touren habe ich immer wieder erwähnenswerte faszinierende, prägnante und teils krasse Erlebnisse sammeln können, oder auch müssen.

Da ist z.B. die Einsamkeit und Unberührtheit in den mitunter unglaublich einsamen Weiten der Hochalpen, die Naturpisten, Versorgungs- und Nachschubwege der alten Militärstraßen aus dem 1. und 2. Weltkrieg (soweit es der Untergrund zuläßt, sie mit einem Nicht-Enduro-Motorrad zu befahren) und die Unzahl kleiner und urwüchsiger Täler abseits der Hauptverkehrs- und Reisestraßen. Ähnliches hatte ich auch in den Pyrenäen erleben dürfen.

Als damaliger „Späteinsteiger“ mit 41 Lenzen fröne ich der Motorradleidenschaft zwar erst seit 2005, allerdings werden meine Touren jedes Jahr umfangreicher. Inzwischen zeigt der Tacho meiner 1200’er S-Bandit beinahe 86000 km.
Allein in 2010 habe ich während meiner Touren fast 20000 km zurückgelegt. Dabei war ich wegen der günstigen Nähe zu meinem bayerischen Wohnort in der Nähe von München mehrmals zu Ein- und Mehrtagestouren im Gebirge unterwegs, davon einige Male in den italienschen Alpen, der Schweiz (Graubünden), dann fernreisend den italienischen Stiefel einige Male querend bis runter inkl. Sizilien und dann noch in Griechenland.

Seit meiner Motorradleidenschaft geht „leider“ fast der komplette Jahresurlaub inkl. Freischichten und Überstunden für diese Vorhaben drauf, so daß ich das Skifahren im Winter aufgeben „mußte“. Als monetär günstig sind meine Motorradurlaube nicht zu bezeichnen, da ich aus vorsichtigem Respekt vor Zecken und den Konsequenzen aus einem Biß dieser kleinen Viecher nicht irgendwo im Zelt auf unbekanntem Gelände übernachten will, sondern feste Unterkünfte wie Pensionen, Hotels, ö.ä. bevorzuge.

Erste große Motorradtour im Juli 2006

Im Jahr 01 nach dem Kauf der Bandit brachte ich meine erste große Tour hinter mich, die ich im Winter zuvor ausgiebig geplant hatte.
Da ich Pässe sammeln und unbedingt auch nach Frankreich wollte, nutzte ich zur Planung nicht nur den „Motorrad Tourenplaner“, sondern orientierte mich auch am Streckenverlauf der Tour de France.
Hier muß ich erwähnen, daß ich meine Touren jeweils alleine in Angriff nehme. So kann ich das Tempo selbst bestimmen, halten wo ich gerade möchte und muß keine Rücksicht auf Mitfahrer nehmen.
Ich denke, nebenstehende Grafik sagt schon einiges aus.
Die gelbe Linie war der Tourverlauf, die rosa Line stellt die Ländergrenzen dar.

Italienische Alpen im Juni 2007


Vom Colle Valcavera Richtung Maira-Stura-Kammstraße
Mit ein wenig Wehmut erinnere ich mich auch gerne an meinen „Alpenmarathon“ in 2007, der eine Erweiterung der Vorjahrestour war.
Das nebenstehende Bild zeigt mich bei einer Rast auf dem Colle Valcavera in der italienischen Provinz Cuneo (Region Piemont) auf knapp über 2400 HM. Wohl ausgelöst durch die Stille und Einsamkeit dort oben und der Kulisse der großartigen Natur ringsum wurde mir wieder die relative Unbedeut-samkeit meiner Selbst und die der Menschheit im Allgemeinen bewußt.
Die Schotterpiste einer Militärstraße führt dort über dessen Paßhöhe, die mich im weiteren Verlauf zur Maira-Stura-Kammstraße bringen sollte, allerdings ein ganzes Stück nach dem Valcavera in groben Schotter überging und ich das Vorhaben wegen Unbefahrbarkeit aufgeben mußte. Vielleicht komme ich irgendwann mit einer Enduromaschine wieder hier her, doch eher wohl nicht.

Spanien & Portugal im August/September 2008


Spanientrailer (50 Sek. – 1,1MB)
Einigermaßen lebhafte Erinnerungen habe ich auch an die spanische Costa del Sol mit ihren unzähligen Windkrafträdern und dem dort stetigen und teilweise überraschend böigen Südwind von Afrika herüber, der mich einige Male beinahe auf die andere Straßenseite gedrückt hätte.
Oder die gigantische Hochebene im spanischen Nationalpark Sierra Nevada mit den alten Bergdörfern.
Da ist auch noch die „ohrenbetäubende“, fast absolute Stille in der wüstenähnlichen Gegend der spanischen Provinz Almeria, wo es so heiß ist, daß nicht mal die Grillen mit ihrem Gezirpe zu hören waren. Drei Tage hatte ich für diese „Wüsten-Durchquerung“ auf relativ guten Straßen und Wegen gebraucht, wobei sich mir angesichts der immer wieder gleich scheinenden gelben, braunen, roten und grauen Sand- und Erdtönen der dortigen Sandsteinformationen einige Male der Verdacht aufdrängte, diese am Vortag schon mal gesehen zu haben. Einige Male führte mich die Straße zur meiner Überraschung auch durch Ramblas (trockene Flußbetten).
Leider ist die Straßenbeschilderung in den abgelegenen Gebieten in Spanien und Portugal zur Orientierung des Öfteren nicht sonderlich hilfreich und die angeschriebenen Orte in der mitgeführten 1:300000’er Straßenkarte mitunter nicht zu finden. Selbst das Navi mußte einige Male passen, weshalb ich hin und wieder nach Kompaß oder Sonnenstand gefahren bin.
Beinahe 1200 Fotos habe ich während dieser 30-tägigen Tour um die iberische Halbinsel geschossen, auf der ich auf knapp 12.000 km zwei Hinterreifen verschlissen hatte.
Eine war eine echte Herausforderung, die „schlechten“ Aufnahmen auszusortieren. Die aus diesem Fundus ausgewählten 244 Bildausschnitte und Panoramen gibts hier: klick mich sanft

Italien – Unfall in L’Aquila im Juni 2009


Beinahe-Totalschaden in L’Aquila, Italien
Für diese Tour hatte ich geplant, den italienischen Stiefel in einigen Querungen bis runter nach Sizilien zu fahren, um dort eine Rundreise zu starten. Danach hätte ich die Fährverbindung von Bari nach Dubrovnik nutzen wollen, um die kroatische Küste hoch zu fahren und nach einem Abstecher in die Dolomiten wollte ich dann den Heimweg antreten.
Leider wurde dieser Trip schon am dritten Tag abrupt beendet, als ich in L’Aquila auf ein Hindernis auffuhr. Mehr zu lesen und Details dazu gibts hier: „2009 – Unfall in Italien

Istrien, Kroatien, Slowenien im September 2009

Nachdem ich das Motorrad wieder in Stand gesetzt hatte, mußte für dieses Jahr unbedingt noch eine Tour her, ich kann schließlich nicht mit Entzugserscheinungen die Saison beenden.
Nach kurzer Überlegung kam mir Slowenien in den Sinn. Dieses unglaublich grüne und bewaldete EU-Land mit den guten und äußerst kurvenreichen Straßen kannte ich schon als empfehlenswertes Reiseziel aus den Jahren zuvor. Es lag also nahe, noch einmal dort hin zu starten und die Reise dabei gleich „ein wenig“ ausgedehnter zu planen.
Nun, leider scheint Istrien nur für den Badeurlauber geeignet, wird von dieser Touristengruppe auch ausgiebig genutzt und ist deshalb entsprechend teuer, was vor allem einige heruntergewirtschaftete Hotelbunker betrifft.
Eine landschaftliche Ausnahme bildet nur der grüne Süden mit den Steilhängen zum Meer hinunter und der phantastischen Küstenstraße. Den hügelig- bis bergigen Nord-Osten in Richtung Slowenien mit den kurvenreichen Straßen durch die Wälder kann ich ebenfalls sehr empfehlen. Ansonsten ist die Halbinsel landschaftlich nur karstig, wenig bewachsen und staubig. Dazu sind die Straßen in einem meist desolaten Zustand und extremst schmierig, so daß das Motorrad schon mal einen unvorhergesehenen Schlenker macht.
Zudem ist die Einreise im Norden vom italienischen Koper her wegen der unglaublichen Touristenströme in beide Richtungen und die dadurch entstehende Blechlawine nur im Stop & Go-Verfahren zu bewältigen, was sich durchaus ein wenig nervenaufreibend, zumindest aber sehr zeitaufwändig gestalten kann.

Süditalien – Kalabrien, Sizilien im Juli 2010

In diesem Jahr hatte ich die letztjährige Tour nachgeholt, die ich aus oben genannten Grund bereits nach kurzer Fahrt beenden mußte.
Italien ist immer eine Reise wert. Sei es der nördliche Teil mit den Alpen, der Apennin oder all die anderen landschaftlich herausragenden Regionen des Stiefels.
Kalabrien, die südlichste Region des italienischen Festlandes, hat mich dabei besonders fasziniert und überrascht. In meiner Vorstellung war Karstlandschaft und ausgetrocknete Weite der vorherrschende Zustand, doch weit gefehlt! Die Natur explodiert förmlich in dem fruchtbaren Landstrich und ist schon fast als urwaldmäßig zu bezeichnen. Abseits des Massentourismus läßt es sich auf den dortigen extrem griffigen Straßen und Sträßchen durch die Hügel und Berge wunderbar cruisen, oder nach meiner Vorliebe: in schrägen Lagen Kurven räubern. Ein weiterer Pluspunkt sind die überaus freundlichen Einheimischen. Ich werde versuchen in den nächsten Jahren den Stiefel wieder bis dorthin runter zu fahren.

Ödes Sizilien: Richtung Enna in die geographische Inselmitte
Sizilien kann ich für den Reisenden dagegen überhaupt nicht empfehlen! Die Insel mag zwar für Badeurlauber interessant sein, die sich während ihres Aufenthalts überwiegend in Strandnähe aufhalten und nur mal einen kurzen Trip ins nahe Landesinnere wagen. Dort ist es wegen des fruchtbaren Bodens nämlich extremst öde. Wie das? Über viele Jahrhunderte, bis in die 1940er Jahre hinein, herrschte über Sizilien ein feudales Großgrundbesitzertum, das die Insel gnadenlos ausbeutete und ein Heer landloser Bauern hervorbrachte. Ich war zu der Zeit dort, als die Kornfelder bereits abgemäht und deshalb nur noch Stoppelfelder über Stoppelfelder, teilweise auch abgebrannt, zu sehen waren. Manches Mal glaubte ich mich fast verloren in der einsamen Monotonie der hügeligen Anbauflächen. Ehemals vorhandener Wald wurde von den Altvorderen bereits während der Römerzeit abgeholzt und die weiten Flächen seit mehr als zwei Jahrtausenden überwiegend für den Weizenanbau genutzt. In diesen eintönigen und den Augen bald schmerzenden Brauntönen war vereinzeltes Grün hin und wieder nur in Form von einsam stehenden und zum Teil verkrüppelten Bäumen auszumachen, die in der windstillen Hitze zumindest ein wenig Schatten spendeten. Etwas Abwechslung bieten auch die Zitronen-, Orangen- und Olivenhaine, die mit ihren geradlinigen Anlagen aber sehr unnatürlich wirken. Daneben finden nur noch Kakteen und Sträucher in kleinen Nischen ihren Platz.
Auf abseits gelegenen Straßen hatte der Belag immer wieder einige unangenehme Überraschungen wie abrupte Hebungen, Senkungen und Löcher bei sonst überwiegend gutem Zustand parat. Warnschilder an solchen Gefahrstellen waren nur selten aufgestellt.
Unbestreitbar hat diese autonome Region der Republik Italien dem Reisenden einige interessante Dinge zu bieten, unter anderem wunderbare Abschnitte auf der 1152 km langen Küstenlinie und die antiken Orte, den Ätna, der höchste Vulkan Europas, und die Freundlichkeit der Einheimischen nicht zu vergessen. Allerdings habe ich diese größte Insel des Mittelmeeres auf der Tour wegen meiner täglich wechselnden Unterkünfte und den teils horrenden Eintrittspreisen für die diversen antiken Stätte als sehr teuer empfunden. Die Vulkaninsel wird mir leider hauptsächlich als landwirtschaftliche Einöde in Erinnerung bleiben.
Kroatien: Als Rückreiseroute hatte ich die Fährverbindung von Bari nach Dubrovnik gewählt, um auf der aussichtsreichen kroatischen Küstenstraße Richtung Norden zu fahren. Diese wurde in den letzten Jahren wohl in ihrer gesamten Länge instand gesetzt und hat durch den neuen Belag sehr viel Grip zu bieten. Dieser Umstand ließ bei dem wunderbaren Wetter zu meiner Freude teilweise extreme Schräglagen in den vielen Kurven zu. Von dem alten und schlechten Straßenbelag, der bei Regen seine berüchtigten schmierseifenartigen Eigenschaften annahm, war nichts mehr vorhanden.
Die langgestreckte Halbinsel Pag wird auch schon mal als das „Ibiza Kroatiens“ bezeichnet, wo es am Strand von Zrcé, bei Novalja, dem größten Ort und das touristische Zentrum der Insel, entsprechend zugehen soll. Dort wurden für das Jungvolk sogar zwei Großraumdiscotheken hingestellt. Pag ist im Süden über eine kurze, mautfreie Brücke mit dem Festland verbunden und im Norden-Osten mit der Fähre zu erreichen. Sie ist für den Reisenden nicht wirklich interessant, da extrem steinig und karstig. Trotzdem die Insel in Simuni und Novalja zwei Campingplätze mit Sandstränden und entsprechenden Sportangeboten anbietet, wirkte sie auf mich während meiner Überquerung wegen des nur spärlichen Wachstums eher wie ein ungastlicher Steinhaufen. Dort, wo wohl Süßwasser vorhanden ist und es etwas mehr grünt, haben sich in einigen kleinen Orten die Einwohner niedergelassen. Auf der Westseite zeigen sich viele weitere kleine und kleinste Inseln, weshalb der Blick aufs offene Meer meist versperrt ist.
Das kroatische Hinterland stellte sich mir in für den Tourismus noch sehr ausbaufähigen Zustand dar und die dortige relative Armut war auch nicht immer zu übersehen. Dazu kamen noch diverse Verständigungsprobleme, da hier, im Gegensatz zum touristisch geprägten Küstenabschnitt, nur wenig englisch und noch weniger deutsch gesprochen und verstanden wird. Im landschaftlich durchaus reizvollen Velebit-Gebirge, das sich über viele Kilometer direkt an der kroatischen Küste entlangzieht und dadurch wie ein Schutzwall zum Meer hin wirkt, sind im südlichen Teil die Zerstörungen an einigen einzeln stehenden Gebäuden durch den Krieg von 1991 bis 1995 durchaus noch zu erkennen. Zudem sollen an der ehemaligen Frontlinie immer noch Landminen liegen und einige Straßen deshalb nicht verlassen werden. Ich fand es durchaus sehr bedrückend, was dort mitunter zu sehen ist.

Griechenland im September 2010


Meteora-Felsen mit Meteora-Kloster
Griechenland hatte ich in 12 Tagen und insgesamt etwas über 4200 km inkl. Hin- und Rückreise über Italien und der günstigen Fährverbindung Ancona-Igoumenitsa-Ancona auf einer landschaftlich äußerst abwechslungsreichen, selbst zusammengestellten Rundreise erkundet und hat mir sehr gut gefallen. Als kleine Abenteuer erwiesen sich dort der mitunter miserable und rutschige Straßenbelag der Hellenen, der in größeren Städten wie Sparta einer Eisbahn glich und keinerlei Grip hatte, sowie der Kauf eines Reifens für meine Bandit.
Reifenkauf: 180’er Hinterreifen, zumindest in Deutschland und Italien eine Standardgröße, würden in Griechenland so gut wie nicht nachgefragt und seien deshalb nicht am Lager, wie ich mehrfach hören mußte, könnten aber innerhalb eines Tages lieferbar sein. Nach zwei Tagen Suche wurde ich an einem Samstag zur Mittagszeit in Patra in einer Reifenwerkstatt endlich fündig. Dort stand ein einzelner, leicht angestaubter 180’er aus dem Vorjahr als Michelin Pilot Sport im Regal. Metzeler Z6 hatte ich einige Zeit vor der Griechenland-Tour aufziehen lassen.
Alle verfügbaren Reifenfreigaben habe ich immer bei den Papieren dabei, die unterschiedlichen Marken dürfen aber eigentlich nicht als Mischbereifung gefahren werden. Allerdings war mir das nicht nur wegen des bevorstehenden Sonntags dermaßen und unbeschreiblich egal. Und wie ich die folgenden Tage feststellen konnte, hat sich deswegen auch kein nachteiliges Fahrverhalten eingestellt.
Stolze 200,- € inkl. Montage gingen dafür über den Tresen. Handeln lohnt sich übrigens, denn ein anderer Händler zuvor verlangte unverschämte 260,- € ohne Montage für einen gar nicht am Lager befindlichen Bridgestone BT-16, den er mir aber hätte bestellen wollen. Etwas sehr angesäuert entgenete ich dem Herrn, daß ich diesen Reifen zu Hause in Deutschland regulär für die Hälfte bekommen würde. Da meint er, daß er mir 10, vielleicht 15 Prozent nachlassen könne.

Noch einmal nach Griechenland?
Für 2012 war eine ausgedehnte Motorradtour in Griechenland geplant. Ein Abstecher nach Istanbul an den Bosporus war dabei auch vorgesehen.
Allerdings scheint sich spätestens wegen des durch die Einschnitte der Finanzkrise ausgerufenen Generalstreiks in Athen im Februar 2012 der überwiegend hilfsbereite und freundliche Menschenschlag geändert zu haben.
Zumindest Deutschland gegenüber. Denn zu welcher anderen Auffassung soll ich sonst kommen, wenn ich Bilder von aufgebrachten Griechen sehe, die anti-deutsche Proteste hinausschreien und damit eine deutsch-feindliche Stimmung verbreiten. Da sind dann auch noch die Bilder einer Gruppe von Demonstranten, die aus Wut und Verachtung über die deutsche Kanzlerin eine deutsche Fahne und dann gleich auch noch eine Hakenkreuzfahne verbrennen. Nicht zu vergessen die inländische Boulevardpresse, die mit Nazivergleichen und entsprechenden Fotomontagen großformatig gegen Deutschland hetzt und dadurch die ansonsten ausgeglichenen und friedfertigen Hellenen anstachelt und in eine vorbestimmte Richtung lenkt.
Der Großteil der Hellenen hat sich scheinbar seinen aufgeklärten Menschenverstand und sein gesundes Urteilsvermögen bewahrt. Allerdings zeigen die Vorkommnisse, wohin die Entwicklung gehen könnte.
Meine Touren möchte ich gerne unbeschwert genießen und unbeschadet überstehen. Als Solofahrer habe ich absolut kein Interesse daran, daß mich meiner Herkunft wegen vielleicht einzelne angestachelte Krawallmacher verbal angreifen oder ich sogar Schlimmeres erleben muß.
Nicht nur ich scheine so darüber zu denken – wie soll es sonst anders zu erklären sein, wenn einer Umfrage zur Folge die Reiselust der Deutschen für 2012 nach Griechenland um die Hälfte zurückgehen wird? Der Tourismus trägt nicht unerheblich zu den griechischen Staatseinnahmen bei.
Ich bedaure das griechische Volk zwar, werde für meinen Teil aber den dortigen weiteren Verlauf lieber aus der Ferne beobachten und zu meiner eigenen Sicherheit vorerst davon Abstand nehmen, meine Reisen in diese Richtung zu unternehmen.
Als Alternativziel für 2012 habe ich bereits Korsika und Sardinien auserkoren. Dort war ich in 2011 nach meiner abgebrochenen Norwegentour für 12 Tage mit dem Motorrad unterwegs und kann die Inseln uneingeschränkt empfehlen.

Bosnien & Montenegro im Juli 2015

Im Juli 2015 führte mich eine Tour durch Slowenien und ein Stück die kroatische Küstenstraße runter und zum ersten Mal nach Bosnien und Montenegro.
In den heißesten Sommerwochen war ich dort. Der Temperaturrekord war im Tal der Neretva in Mostar. Dort hatte es am frühen Nachmittag bei Windstille 42°C. Da macht nichts mehr Spaß. Mit der Fähre setzte ich rüber nach Italien und über den Apennin gings wieder in Richtung Heimat. In Summe um die 6000 km.
Beide Länder haben so gut wie keine Industrie, die die Umwelt schädigen könnte. Und Landwirtschaft wird auch nur im kleinbäuerlichen Maßstab betrieben. Entsprechend gesund schienen Böden und Gewässer. Bei uns habe ich seit meiner Kindheit keine so klaren Seen und Flüsse mehr gesehen. Die grandiose Natur dort unten kam mir vor wie die unsere vor über 30 Jahren. Da war noch vieles in Ordnung. Da haben auch die Menschen noch aufeinander geachtet und waren weniger arrogant.
Die vergleichsweise Armut zu unseren Industriestaaten war immer wieder offensichtlich. Der damalige Krieg hat die Länder in der Entwicklung sehr zurückgeworfen. Und nicht zu vergessen seine Hinterlassenschaften, denn laut Auskunft meines Hauswirtes in Bosnien sind noch immer Landstriche zum Teil minenverseucht und behindern deren Nutzung. In Sarajevo und Mostar erinnern zur Mahnung einige zerbombte Häuser an den Krieg. Zusammen mit den eindrucksvollen Erzählungen eines Hoteliers in Sarajevo war und ist das schon sehr bedrückend.
Es schien an einem breit aufgestellter Mittelstand und größeren Investoren und damit der Kaufkraft zu fehlen. Das war bei den Preisen spürbar – ich hatte selten so günstig Urlaub machen können. Trotzdem waren die Leute bemerkenswert freundlich und gut drauf. Und weil während des Krieges viele in Deutschland als Flüchtlinge waren, kommt man auch ohne Fremdsprachenkenntnisse überall ganz hervorragend durch.
In einigen älteren Reiseberichten wird von extrem schlechten Straßenzuständen berichtet. Das gehört ganz eindeutig der Vergangenheit an – selbst Nebenstraßen wurden saniert und sind in einem bemerkenswert guten Zustand. Da hat die EU wohl einige Geldmittel locker gemacht.

Bei meinen Tagesetappen hatte ich einige Male die Grenzen von Kroatien, Bosnien und Montenegro überquert. Da gings auch an den kleineren Übergängen mitunter sehr genau zu. Die Grenzer kontrollierten Personalausweis und Fahrzeugschein nicht nur per Augenschein, sondern auch per Fahndungscomputer. Nach Montenegro hinüber war sogar die grüne Versicherungskarte verpflichtend. Die Wartezeiten dauerten wegen der wenigen Fahrzeuge aber nicht sehr lange.

Neben den phantastischen Landschaften in Bosnien und Montenegro behalte ich mir in jedem Fall die dortigen freundlichen Menschen in Erinnerung.

Noch einmal nach Bosnien und Montenegro?
Mit Sicherheit!
Allerdings sorgen die aktuellen Flüchtlingsströme für Ausnahmezustände und starke Behinderungen an den Grenzübergängen. So lange das andauert, halte ich eine Reise dorthin nicht wirklich für empfehlenswert.

Frankreich

Eindrucksvoll, erlebnis- und fahrenswert ist auch die „Route de Grandes Alpes„, die die Höhepunkte der französischen Seealpen mit den vielen Gebirgspässen vom Genfer See bis zum Mittelmeer verbindet.
Dann muß ich noch unbedingt die Schluchten und Täler in Südfrankreich nennen, sowie den Nationalpark Vercors im Süd-Osten von Grenoble mit den schmalen Straßen durch die Karstschluchten und die in den Fels der Steilhänge gehauenen schmale Sträßchen, wo es direkt hinter der steinernen, nur kniehohen Randbegrenzung schon mal einige hundert Meter senkrecht in die Tiefe geht. Von einem Besuch während der Ferienzeit und den dadurch nicht unerheblichen Touristenströmen ist allerdings abzuraten!
Noch ein Stück weiter im französischen Süden hat mich auch der Gran Canyon du Verdon sehr beeindruckt, inklusive dem fantastischen und sehr kurvenreichen Weg dorthin.

Slowenien

Slowenien ist auch die eine oder andere Reise wert. Es ist das wohl waldreichste EU-Land, das ich bisher besucht habe. Zudem ist es vom Tourismus noch nicht allzusehr überlaufen und die Freundlichkeit der dortigen „Eingeborenen“ gegenüber Fremden sucht seinesgleichen.

Unglaublich erlebnisreich

Achgott, achgott und seufz. Bevor ich vor lauter schwelgen ich Erinnerungen noch Zustände bekomme, unterbreche ich hier vorerst meine Aufzählung.
Die Reiseberichte meiner bisherigen Touren werde ich überarbeiten und auf ein erträgliches Lesemaß kürzen. So kann ich in hoffentlich naher Zukunft eine Beschreibung jede meiner größeren Motorradtouren inklusive Fotos zur Unterhaltung und zur Informationsfindung hier auf on2r.eu bereitstellen.

Reisetagebuch/Fotobuch

Vor allem bei längeren Reisen geraten diverse Erlebnisse in Vergessenheit, deshalb rate ich an dieser Stelle jedem Reisenden zur Führung eines Reisetagebuchs, um sich zu einem späteren Zeitpunkt in das Erlebte zurück zu versetzen. Sind dann die Worte auch noch in die digitale Form gebracht, läßt sich damit ausgezeichnet ein Fotobuch mit all den Bildern und Texten erstellen, wie ich selbst schon feststellen konnte. Anbieter dafür gibt es mittlerweile in ausreichender Anzahl.
Die ersten Jahre noch auf Papier, habe ich mir dafür in 2010 das kleine Netbook Samsung N130 zugelegt, um meine Eindrücke zu Hause nicht noch mal zeitaufwändig in den Rechner tippen zu müssen. Die Erlebnisse einer Tagesetappe schreibe ich seit jeher noch am gleichen Abend, wo auch die Eindrücke vom Vormittag noch einigermaßen frisch sind. Zwei Stunden kann so eine Zusammenfassung inkl. Sichtung und Beschreibung der Fotos vom Tag schon mal dauern. Zudem konnte ich mich mit dem Gerät durch die häufigen und überwiegend kostenlosen WLans in Italien und Griechenland über das Wetter auf dem Laufenden halten.
Ich habe auch schon überlegt während der Fahrt auf ein Diktiergerät zu sprechen, damit mir keine Informationen abhanden kommen.

Ich wünsche allen Reisenden auf ihren Touren alles Gute, tolle und positive Erlebnisse und immer genügend Straße unter den Reifen.

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